Über Weihnachten zu den Eltern, ein langes Wochenende bei einer Freundin, zum Zuckerfest bei der Familie oder zum runden Geburtstag bei der Tante: Rund um Feste sind viele von uns nicht nur Gastgeberin, sondern auch Gast.
Und dann passiert es schnell: Am ersten Abend liegt dein Ladekabel im Wohnzimmer, deine Zahnbürste im Bad, dein Pulli über dem Stuhl in der Küche und deine Tasche im Flur. Am dritten Tag weißt du nicht mehr, wo was ist. Und bei der Abreise bleibt garantiert etwas liegen.
Bei ADHS kommt dazu: In einer fremden Umgebung fehlen dir die festen Plätze, die du zu Hause für deine Dinge festgelegt hast. Deshalb lohnt es sich, dir unterwegs ein paar eigene feste Plätze zu schaffen.
Ich arbeite für längere Reisen mit Packlisten. Für einen Kurztrip brauche ich keine, weil ich sehr viel unterwegs bin und Packen für mich Routine ist. Das hat aber nicht jede*r. Und gerade mit ADHS kann es passieren, dass etwas liegen bleibt, obwohl es direkt neben dem Koffer lag.
Mir ging das schon als Kind so. Bei Klassenfahrten habe ich mir deshalb aufgeschrieben, was ich dabeihatte, damit ich vor Ort nichts vergesse.
Fertige Packlisten zum Ausdrucken und Abhaken findest du zum Beispiel auf packlisten.org. Du kannst sie an deine Reise anpassen und eigene Dinge ergänzen. Ob du sie auf dem Handy nutzt oder ausdruckst, ist dir überlassen.
Der wichtigste Tipp: Nutz die Liste nicht nur beim Packen zu Hause, sondern auch bei der Abreise. Dann siehst du auf einen Blick, ob alles, was du mitgebracht hast, wieder im Koffer ist.
Wenn du keinen eigenen Schrank hast, sondern nur ein paar Tage bleibst, lohnt es sich, aus dem Koffer zu leben.
Das heißt: Dein Koffer oder deine Tasche ist dein fester Ort. Alles, was du benutzt hast, kommt danach wieder dorthin zurück. Auch deine Pflegeprodukte: Du nimmst sie mit ins Bad, benutzt sie und bringst sie wieder zurück zu deinen Sachen, statt sie im Bad aufzureihen.
Das klingt nach mehr Aufwand, spart dir aber am Ende viel Sucherei. Denn wo du über drei Tage überall etwas hingelegt hast, merkt sich niemand.
Wenn du länger bei der Familie bist und einen eigenen Schrank oder ein Schrankfach bekommst, kannst du natürlich auch auspacken. Dann ist eben dieses Fach dein fester Ort.
Für die Dinge, die du ständig in der Hand hast, also Handy, Schlüssel, Brille, Kopfhörer und Ladekabel, hilft ein zusätzlicher fester Platz: ein Beutel, ein Täschchen oder eine Schale auf deinem Nachttisch. Alles, was du ablegst, landet dort und nirgendwo sonst.
Das ist dieselbe Idee wie die Schlüsselschale zu Hause, nur für unterwegs. Und du sparst dir die Runde durchs ganze Haus, wenn du morgens losmusst und dein Handy suchst.
Getragene Wäsche kommt nicht in den Wäschekorb deiner Gastgeber*innen. Sammle sie in einem eigenen Beutel, zum Beispiel einem Stoffbeutel oder einer Tüte im Koffer, und wasch sie zu Hause.
Bei einem normalen Besuch von ein paar Tagen ist es nicht nötig, dort zu waschen. Wenn du länger bleibst, sprich es bei Bedarf an.
Wie du dich als Gast verhältst, hängt auch davon ab, bei wem du bist. Bei deiner besten Freundin sind die Regeln andere als bei deinen Eltern, und dort wieder andere als bei der Familie deines Partners oder deiner Partnerin, die du vielleicht noch gar nicht so gut kennst.
Was in allen Fällen hilft: vorher fragen. Wie ist euer Tagesablauf? Wann geht ihr schlafen? Wo kann ich meine Sachen hinstellen? Wobei kann ich helfen? So musst du nicht raten, und deine Gastgeber*innen müssen nicht alles erklären, während du schon mittendrin bist.
Das ist meine persönliche Sicht, und vieles davon machst du vielleicht ohnehin schon. Nimm dir heraus, was für dich passt.
Ich lasse meine Sachen in dem Bereich, in dem ich schlafe, und verteile sie nicht im Haus. Ich mache morgens mein Bett. Ich packe mit an, wo es gewünscht ist: beim Tischabräumen, beim Lüften oder beim Müllrausbringen. Wenn jemand lieber alles allein macht, respektiere ich das. Ich richte mich nach dem Rhythmus meiner Gastgeber*innen, auch wenn ich zu Hause früher ins Bett gehe, und belege abends nicht stundenlang das Wohnzimmer, wenn das gleichzeitig ihr Wohnraum ist. Ich beteilige mich am Einkauf oder lade am Ende zum Essen ein. Denn jemanden bei sich aufzunehmen ist keine Selbstverständlichkeit. Und wenn ich merke, dass unsere Tagesabläufe gar nicht zusammenpassen, ist manchmal ein Hotel die entspanntere Lösung für alle.
Auch wenn du deine Sachen die ganze Zeit beisammengehalten hast: Im Alltag wandert doch gern mal etwas nicht zurück. Das Ladekabel bleibt in der Steckdose, die Haarbürste im Bad. Deshalb gehört für mich eine feste Runde vor der Abreise immer dazu, auch wenn ich so vorgehe wie oben beschrieben. Am besten ohne Eile, also nicht erst fünf Minuten bevor du losmusst:
Wenn du mit Kindern unterwegs bist, nimm die Kinder in die Runde mit. Kuscheltiere und Spielsachen tauchen sonst gern erst zu Hause als „vergessen“ auf.
Und wenn du selbst Gastgeberin bist: Wie du deine Wohnung schnell besuchsfertig machst und was Übernachtungsgäste brauchen, steht im Artikel Besuch kommt: So wird deine Wohnung mit ADHS schnell besuchsfertig.
Wenn du zu Hause feste Plätze für deine Dinge aufbauen möchtest, damit du auch dort weniger suchst:
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