Die Nachricht kommt am Nachmittag: „Wir sind in einer Stunde da.“ Oder eine Freundin schreibt: „Ich bin gerade in der Nähe, kann ich kurz auf einen Kaffee vorbeikommen?“ Und auf dem Esstisch liegt noch die Post von zwei Wochen, auf dem Sofa die Wäsche und im Flur stehen drei Paar Schuhe.
In diesem Artikel geht es um zwei Situationen: um Besuch, der kurzfristig kommt, und um Übernachtungsbesuch, den du meistens ein paar Tage vorher planen kannst, etwa über die Feiertage, zu Ostern, zum Zuckerfest oder zu einem Geburtstag.
Viele mit ADHS kennen auch die andere Seite: Man lädt kaum noch jemanden ein, weil allein der Gedanke ans Aufräumen davor zu viel ist. Das muss nicht so bleiben.
Um Großputz geht es dabei nicht. Es geht darum, einen Zustand zu schaffen, in dem du dich mit Besuch wohlfühlst.
Wenn die Zeit knapp ist, fang nicht irgendwo an. Überleg kurz, welche Bereiche deine Gäste überhaupt zu sehen bekommen:
Alles andere darf heute so bleiben, wie es ist. Das Arbeitszimmer, das Schlafzimmer, das Kinderzimmer und der Keller sind nicht Teil des Besuchs. Die Türen dazu schließt du. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch eine Frage der Privatsphäre: Nicht jeder Besuch muss sehen, wie du schläfst.
Und wenn du merkst, dass du die Zeit schwer einschätzen kannst: Stell dir einen Timer, zum Beispiel auf 20 Minuten, und arbeite die Bereiche in dieser Reihenfolge ab. Wenn der Timer klingelt, ist der wichtigste Teil erledigt. Mehr dazu, warum „nur schnell“ oft länger dauert, findest du im Artikel Zeitblindheit bei ADHS im Haushalt.
Die bewährteste Methode für kurzfristigen Besuch ist ein Wäschekorb oder eine große Tasche.
Du gehst durch die Bereiche, die deine Gäste sehen, und alles, was auf Tischen, Ablagen, dem Sofa oder dem Boden liegt und dort nicht hingehört, kommt erst einmal in den Korb. Nicht sortieren, nicht wegräumen, nur einsammeln. Den Korb stellst du in einen Raum, in den heute niemand reinkommt.
Danach sieht es sofort deutlich ruhiger aus. Und du hast in wenigen Minuten geschafft, wofür du sonst eine Stunde bräuchtest.
Ein Punkt ist dabei wichtig: Post, Rechnungen, Schlüssel, Medikamente und alles mit Frist kommen nicht in den Korb. Leg sie auf einen eigenen Stapel an einen festen Platz. Sonst verschwindet genau das Papier, das du nächste Woche brauchst, unter einem Pulli.
Und jetzt der knifflige Teil. Denn der Korb muss nach dem Besuch auch wieder ausgeräumt werden. Viele machen das, aber erst eine Woche später, manchmal zwei.
Und das ist auch eine Information: Wenn eine Woche vergangen ist und du nichts aus dem Korb vermisst hast, lohnt sich bei manchen Dingen die Frage, ob du sie überhaupt brauchst.
Damit der Korb nicht zum Dauerzustand wird, helfen drei Dinge:
Was nach zwei Wochen noch im Korb liegt und dir nicht gefehlt hat, darf in die Kiste zum Weggeben.
Wenn die Oberflächen frei sind, bleibt meist nicht mehr viel zu tun:
Mehr nicht. Niemand erwartet, dass deine Wohnung aussieht wie im Katalog.
Wenn jemand über Nacht oder sogar mehrere Tage bleibt, kommen ein paar Dinge dazu. Das Ziel: Deine Gäste sollen sich zurechtfinden, ohne dich ständig fragen zu müssen.
Gib den Sachen deiner Gäste direkt bei der Ankunft feste Plätze:
So verteilen sich ihre Sachen nicht in deiner Wohnung, und du musst nach dem Besuch nichts zusammensuchen. Und deine Gäste vergessen bei der Abreise weniger, weil sie wissen, wo alles ist.
So kannst du einkaufen und euren Tagesablauf ein bisschen aufeinander abstimmen.
Der Wäschekorb-Trick hilft, wenn es schnell gehen muss. Auf Dauer ist es aber angenehmer, wenn Besuch gar keine Aufräumaktion mehr auslöst.
Das klappt, wenn deine Dinge einen festen Platz haben und du regelmäßig zu diesem Zustand zurückkehrst, zum Beispiel mit einem kurzen Reset am Abend. Wie das aussehen kann, steht im Artikel Ordnung halten bei ADHS: Wie eine Grundordnung im Alltag funktioniert.
Und wenn du über die Feiertage selbst irgendwo zu Gast bist: Wie deine Sachen dort beisammenbleiben, liest du im Artikel Zu Besuch mit ADHS.
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