Organizer kaufen? Erst das System, dann die Boxen

Boxen gekauft, aber die Ordnung hält trotzdem nicht? Warum du erst ein System brauchst, wie du mit Kartons und Dosen startest, die du schon hast, und worauf du achtest, wenn du später doch Organizer kaufst.
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Darum gehts

Viele fangen beim Thema Ordnung an derselben Stelle an: Sie kaufen Boxen. Schöne Körbe, passende Dosen, Einsätze für Schubladen. Die Hoffnung dahinter: Wenn erst die richtigen Organizer da sind, ergibt sich die Ordnung von selbst.

Leider klappt das selten. Nach ein paar Wochen sind die Boxen voll, du weißt nicht mehr, was in welcher steckt, und daneben stapelt sich trotzdem wieder alles.

Ich bin nicht gegen Organizer. Ich berate auch gern dazu, welche passen und worauf du beim Kauf achten kannst. Aber erst dann, wenn dein Ordnungssystem steht und du es eine Weile im Alltag getestet hast. Vorher ist Kaufen der falsche erste Schritt.

Erst das System, dann die Boxen

So gehe ich vor, egal ob in der Küche, im Bad oder im Kleiderschrank:

  1. Erst wenn du weißt, was bleibt, weißt du, wie viel Platz du brauchst.
  2. Kategorien bilden und Plätze festlegen, mit dem, was du schon hast.
  3. Ein paar Tage, besser ein paar Wochen. In der Küche gern auch über mehrere Einkäufe.
  4. Was hakt? Wo greifst du immer wieder daneben?
  5. Erst dann kaufen, und nur, wenn ein Organizer an einer bestimmten Stelle etwas besser macht.

Wenn dein System mit Kartons und alten Dosen gut läuft, musst du nichts mehr dazukaufen. Für Ordnung musst du nichts kaufen.

Wie du beim Ausmisten anfängst, steht im Artikel Ausmisten bei ADHS: So kommst du ins Tun.

Was du schon zu Hause hast

Ich selbst nutze kaum gekaufte Organizer. Für meine Schubladen im Bad hatte ich mal Einsätze gekauft, und die habe ich gern benutzt. Gerade wohne ich vorübergehend woanders, ohne diese Einsätze, und es geht genauso. Ich fand sie gut, gebraucht hätte ich sie nicht.

Was ich dagegen oft nutze: Kartons von Versandbestellungen. Die haben meistens eine gute Größe für Schubladen und Fächer. Und die Lücken, die zwischen den Kartons entstehen, sind gleich wieder ein abgetrennter Bereich.

Weitere Ideen, die bei vielen schon zu Hause liegen:

  • Schuhkartons, um eine ganze Kategorie zusammenzufassen.
  • Alte Brotdosen für Kleinkram wie Teebeutel, Backpulver oder Haargummis.
  • Leere Gläser von Marmelade oder Gurken. Die sind nicht groß, eignen sich aber gut für kleinere Mengen wie Nüsse, Pinienkerne, Schokodrops, Kokosraspeln, Streusel oder Hülsenfrüchte.
  • Größere Kartons, zurechtgeschnitten als Trennwand oder als Sammelstelle für Pfandflaschen und Altglas.
  • Wäschenetze, von denen die meisten mehr haben, als sie nutzen, zum Beispiel für Obst.
  • Klappboxen für Dosen, Konserven oder Gläser.
  • Organizer, die du schon gekauft hast. Viele haben genau das als ersten Schritt getan. Die werden jetzt genutzt.

Die häufigsten Fehlkäufe

Wenn Kundinnen mir von Fehlkäufen erzählen, geht es meist um dieselben Dinge.

Zu große Boxen

Eine große Box fasst viel. Und genau das ist das Problem: Du füllst sie, siehst aber nicht mehr, was drin ist, weil alles übereinanderliegt. Nur weil du viel Platz hast, musst du ihn nicht auch voll ausnutzen.

Organizer für den Kleiderschrank

Hier sehe ich die meisten Fehlkäufe: Einsätze, Fächerboxen und Hängeaufbewahrungen, die gekauft werden, bevor klar ist, wie viel Kleidung bleibt und wie sie im Schrank liegen soll.

Boxen, die nicht passen

Eine Kundin hatte für das Kinderzimmer Stoffeinschübe gekauft, exakt ausgemessen, sogar zu zweit. Nur das Scharnier der Schranktür hatten sie nicht mitbedacht. Die Einschübe passten nicht hinein.

Ein ähnlicher Klassiker: Körbe und Boxen, die oben breiter sind als unten. Sie sehen schön aus, verschenken aber im Schrank Platz, weil sie unten nicht an die Wand reichen. Gerade geschnittene Boxen nutzen den Raum besser.

Der tiefe Schrank

Eine andere Frage, die ich bekommen habe: „Wie finde ich Organizer für einen sehr tiefen Küchenschrank? Die sind immer zu kurz oder zu schmal, und eine Handbreit bleibt ungenutzt. Das geht mir so auf den Geist.“ Und dazu: „Ich bin nicht bereit, so viel Geld für Kisten auszugeben.“

Meine Antwort: Erst mit Kartons testen. Ein Karton lässt sich zuschneiden, bis er genau passt. Wenn sich die Aufteilung über Wochen bewährt, weißt du genau, welche Maße du suchst. Und eine Handbreit Platz hinten im Schrank muss nicht verloren sein. Dort kann eine Reserve stehen, die du selten brauchst.

Messen statt schätzen

Bevor du etwas kaufst, miss genau aus:

  • Breite und Tiefe: Leg ein Stück Backpapier oder Zeitung ins Fach, schneide es auf die Größe zurecht und nimm es mit in den Laden. Damit siehst du sofort, was hineinpasst.
  • Höhe: Plane einen kleinen Puffer ein. Wenn zwischen zwei Regalböden 30 Zentimeter sind, passt eine Box mit genau 30 Zentimetern meistens nicht, weil sie dann doch einen Millimeter übersteht. Bei offenen Boxen ohne Griff brauchst du außerdem Platz, um hineinzugreifen.
  • Hindernisse: Scharniere, Kanten, Rohre, Wasserzähler oder Abdeckungen. Und lass Steckdosen frei, damit du sie weiter nutzen kannst.
  • Online bestellen: Achte auf die Außenmaße, nicht nur auf das Fassungsvermögen.

Worauf ich achte, wenn gekauft wird

Wenn sich dein System bewährt hat und du an einer Stelle etwas verbessern möchtest, achte ich vor allem auf diese Punkte.

Stapelbar

Stapelbare Boxen nutzen die Höhe aus und lassen sich leichter umräumen.

Material passend zum Ort

Ich nutze oft Kunststoff, weil er sich abwischen und oft in die Spülmaschine stellen lässt. Für den Keller habe ich zwei hochwertige, dicht schließende Boxen, eine für Erinnerungen und eine für Dokumente. Dort soll weder Feuchtigkeit noch Staub herankommen.

Holz, Körbe oder Stoff sehen wohnlicher aus. Ein paar Dinge solltest du dabei bedenken:

  • Kleiderschrank: Körbe aus Bast, Rattan oder Draht und raues Holz können Fäden aus deiner Kleidung ziehen. Hier sind Stoff oder Kunststoff meist die bessere Wahl.
  • Stoff ist nicht automatisch waschbar. Viele Stoffboxen haben eine feste Einlage aus Pappe. Schau vor dem Kauf nach, ob und wie du sie reinigen kannst.
  • Holz im Bad: Im Bad wünschen sich viele etwas Wohnliches, und Holz sieht dort schön aus. Bei Feuchtigkeit kommt es aber darauf an, ob das Holz behandelt ist. Unbehandeltes Holz kann aufquellen oder schimmeln.

Transparent

Mit ADHS gilt oft: Was du nicht siehst, vergisst du. Transparente Boxen zeigen dir, was drin ist, ohne dass du sie öffnen musst. Ich nutze sie deshalb gern.

Offen statt mit Deckel

Jeder zusätzliche Handgriff ist eine Hürde. Bei einer Box mit Deckel muss ich schon richtig Lust haben, sie herauszuholen und aufzumachen. Für Dinge, die du oft brauchst, sind offene Boxen oder Körbe ohne Deckel deshalb meist die bessere Wahl. Deckel lohnen sich dort, wo etwas geschützt werden muss, etwa im Keller.

Schwer nach unten

Je schwerer der Inhalt, desto tiefer sollte die Box stehen. Und überleg, wer die Sachen am häufigsten benutzt. Für diese Person sollten sie gut erreichbar sein.

Achte außerdem darauf, dass die Box das Gewicht aushält und sich beim Anheben nicht durchbiegt. Und pack sie nicht zu voll. Eine große Box, in die viel hineinpasst, ist nur dann praktisch, wenn du sie an ihrem Platz auch noch heben und herausziehen kannst.

Platz, den viele übersehen

  • Die Tiefe: Statt alles vorne an die Kante zu stellen, nutze Kartons oder leichte Boxen, die du wie eine Schublade herausziehst.
  • Die Höhe: Oft fehlt ein Regalboden, weil man glaubt, hohe Dinge unterbringen zu müssen. Ein zusätzlicher Boden oder ein Einhängeregal kann viel Platz schaffen.
  • Türen und Wände: Haken an der Innenseite von Schranktüren oder an freien Wänden eignen sich für Besen, Beutel oder Obstnetze.
  • Der Spalt neben dem Schrank: Dort passt manchmal ein schmales Rollregal.

Organizer aus dem 3D-Drucker

Immer mehr Menschen haben einen 3D-Drucker zu Hause und drucken sich ihre Organizer selbst: Schubladeneinsätze, Halter, Boxen, genau auf ihre Maße zugeschnitten. Da sind richtig gute Sachen dabei, oft günstiger als gekaufte.

Für gedruckte Organizer gilt aber dasselbe wie für gekaufte:

  • Erst messen. Wenn du ohnehin auf Maß druckst, sollte das Teil auch in den Schrank passen, mit Scharnier, Kante und Platz zum Hineingreifen.
  • Erst fragen, ob du es brauchst. Ein Organizer aus dem Drucker ist schnell gemacht. Gerade deshalb lohnt sich die Frage: Löst er ein Problem, das ich im Alltag habe? Oder finde ich ihn gerade nur lustig oder in diesem Moment praktisch?
  • An deine Vorlieben denken. Richtig transparent wird ein 3D-Druck meist nicht, höchstens milchig. Wenn du deine Sachen am liebsten durch die Box hindurch siehst, ist ein gedruckter Organizer an dieser Stelle vielleicht nicht die beste Lösung.

Das ist dasselbe Muster wie bei einem Organizer, den du auf Instagram siehst: Er sieht toll aus, du willst ihn sofort haben, und zu Hause steht er dann in der Ecke, weil er nicht zu dir und deinem Alltag passt.

Herauszufinden, was dir hilft und wie du selbst Ordnung hältst, ist deshalb der erste Schritt, vor jedem Kauf und vor jedem Druck. Genau damit beginnt auch mein Ordnungskurs orga:hörnchen.

Lass ein bisschen Luft

Ein Vorschlag, keine Regel: Lass in Regalen und Boxen etwas Platz frei, ungefähr ein Fünftel.

Im Regal hast du dann Raum für den nächsten Einkauf, ohne dass gleich alles durcheinandergerät. Bei Boxen ist es wie bei Umzugskartons: Randvoll werden sie zu schwer, und du siehst nicht mehr, was drin ist.

Vier Fragen vor jedem Kauf

Bevor du einen Organizer kaufst oder druckst, frag dich:

  • Habe ich schon etwas, das diesen Zweck erfüllt?
  • Löst er ein Problem, das ich seit Wochen im Alltag merke?
  • Weiß ich genau, wohin er kommt, und habe ich ausgemessen?
  • Würde ich ihn auch kaufen, wenn er nicht so schön aussähe?

Wenn du alle vier Fragen mit Ja beantworten kannst, spricht nichts gegen den Kauf oder den Druck.

Und wenn deine Boxen stehen: Wie du sie so beschriftest, dass alle im Haushalt Dinge wiederfinden, steht im Artikel Beschriften mit ADHS: Etiketten, Labels und Farbcodes, die im Alltag helfen.

Im kostenlosen Einstieg von orga:hörnchen, meinem Ordnungskurs zum Selbstlernen, lernst du, wie du an Ordnung herangehst, bevor du an Boxen denkst. Betrachte ihn als Geschenk von mir an dich. Und wenn du tiefer einsteigen willst: In Nuss 2 „Räume“ findest du ausführliche Raum-Guides für Kleiderschrank, Küche, Bad und weitere Bereiche.

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