Viele fangen beim Thema Ordnung an derselben Stelle an: Sie kaufen Boxen. Schöne Körbe, passende Dosen, Einsätze für Schubladen. Die Hoffnung dahinter: Wenn erst die richtigen Organizer da sind, ergibt sich die Ordnung von selbst.
Leider klappt das selten. Nach ein paar Wochen sind die Boxen voll, du weißt nicht mehr, was in welcher steckt, und daneben stapelt sich trotzdem wieder alles.
Ich bin nicht gegen Organizer. Ich berate auch gern dazu, welche passen und worauf du beim Kauf achten kannst. Aber erst dann, wenn dein Ordnungssystem steht und du es eine Weile im Alltag getestet hast. Vorher ist Kaufen der falsche erste Schritt.
So gehe ich vor, egal ob in der Küche, im Bad oder im Kleiderschrank:
Wenn dein System mit Kartons und alten Dosen gut läuft, musst du nichts mehr dazukaufen. Für Ordnung musst du nichts kaufen.
Wie du beim Ausmisten anfängst, steht im Artikel Ausmisten bei ADHS: So kommst du ins Tun.
Ich selbst nutze kaum gekaufte Organizer. Für meine Schubladen im Bad hatte ich mal Einsätze gekauft, und die habe ich gern benutzt. Gerade wohne ich vorübergehend woanders, ohne diese Einsätze, und es geht genauso. Ich fand sie gut, gebraucht hätte ich sie nicht.
Was ich dagegen oft nutze: Kartons von Versandbestellungen. Die haben meistens eine gute Größe für Schubladen und Fächer. Und die Lücken, die zwischen den Kartons entstehen, sind gleich wieder ein abgetrennter Bereich.
Weitere Ideen, die bei vielen schon zu Hause liegen:
Wenn Kundinnen mir von Fehlkäufen erzählen, geht es meist um dieselben Dinge.
Eine große Box fasst viel. Und genau das ist das Problem: Du füllst sie, siehst aber nicht mehr, was drin ist, weil alles übereinanderliegt. Nur weil du viel Platz hast, musst du ihn nicht auch voll ausnutzen.
Hier sehe ich die meisten Fehlkäufe: Einsätze, Fächerboxen und Hängeaufbewahrungen, die gekauft werden, bevor klar ist, wie viel Kleidung bleibt und wie sie im Schrank liegen soll.
Eine Kundin hatte für das Kinderzimmer Stoffeinschübe gekauft, exakt ausgemessen, sogar zu zweit. Nur das Scharnier der Schranktür hatten sie nicht mitbedacht. Die Einschübe passten nicht hinein.
Ein ähnlicher Klassiker: Körbe und Boxen, die oben breiter sind als unten. Sie sehen schön aus, verschenken aber im Schrank Platz, weil sie unten nicht an die Wand reichen. Gerade geschnittene Boxen nutzen den Raum besser.
Eine andere Frage, die ich bekommen habe: „Wie finde ich Organizer für einen sehr tiefen Küchenschrank? Die sind immer zu kurz oder zu schmal, und eine Handbreit bleibt ungenutzt. Das geht mir so auf den Geist.“ Und dazu: „Ich bin nicht bereit, so viel Geld für Kisten auszugeben.“
Meine Antwort: Erst mit Kartons testen. Ein Karton lässt sich zuschneiden, bis er genau passt. Wenn sich die Aufteilung über Wochen bewährt, weißt du genau, welche Maße du suchst. Und eine Handbreit Platz hinten im Schrank muss nicht verloren sein. Dort kann eine Reserve stehen, die du selten brauchst.
Bevor du etwas kaufst, miss genau aus:
Wenn sich dein System bewährt hat und du an einer Stelle etwas verbessern möchtest, achte ich vor allem auf diese Punkte.
Stapelbare Boxen nutzen die Höhe aus und lassen sich leichter umräumen.
Ich nutze oft Kunststoff, weil er sich abwischen und oft in die Spülmaschine stellen lässt. Für den Keller habe ich zwei hochwertige, dicht schließende Boxen, eine für Erinnerungen und eine für Dokumente. Dort soll weder Feuchtigkeit noch Staub herankommen.
Holz, Körbe oder Stoff sehen wohnlicher aus. Ein paar Dinge solltest du dabei bedenken:
Mit ADHS gilt oft: Was du nicht siehst, vergisst du. Transparente Boxen zeigen dir, was drin ist, ohne dass du sie öffnen musst. Ich nutze sie deshalb gern.
Jeder zusätzliche Handgriff ist eine Hürde. Bei einer Box mit Deckel muss ich schon richtig Lust haben, sie herauszuholen und aufzumachen. Für Dinge, die du oft brauchst, sind offene Boxen oder Körbe ohne Deckel deshalb meist die bessere Wahl. Deckel lohnen sich dort, wo etwas geschützt werden muss, etwa im Keller.
Je schwerer der Inhalt, desto tiefer sollte die Box stehen. Und überleg, wer die Sachen am häufigsten benutzt. Für diese Person sollten sie gut erreichbar sein.
Achte außerdem darauf, dass die Box das Gewicht aushält und sich beim Anheben nicht durchbiegt. Und pack sie nicht zu voll. Eine große Box, in die viel hineinpasst, ist nur dann praktisch, wenn du sie an ihrem Platz auch noch heben und herausziehen kannst.
Immer mehr Menschen haben einen 3D-Drucker zu Hause und drucken sich ihre Organizer selbst: Schubladeneinsätze, Halter, Boxen, genau auf ihre Maße zugeschnitten. Da sind richtig gute Sachen dabei, oft günstiger als gekaufte.
Für gedruckte Organizer gilt aber dasselbe wie für gekaufte:
Das ist dasselbe Muster wie bei einem Organizer, den du auf Instagram siehst: Er sieht toll aus, du willst ihn sofort haben, und zu Hause steht er dann in der Ecke, weil er nicht zu dir und deinem Alltag passt.
Herauszufinden, was dir hilft und wie du selbst Ordnung hältst, ist deshalb der erste Schritt, vor jedem Kauf und vor jedem Druck. Genau damit beginnt auch mein Ordnungskurs orga:hörnchen.
Ein Vorschlag, keine Regel: Lass in Regalen und Boxen etwas Platz frei, ungefähr ein Fünftel.
Im Regal hast du dann Raum für den nächsten Einkauf, ohne dass gleich alles durcheinandergerät. Bei Boxen ist es wie bei Umzugskartons: Randvoll werden sie zu schwer, und du siehst nicht mehr, was drin ist.
Bevor du einen Organizer kaufst oder druckst, frag dich:
Wenn du alle vier Fragen mit Ja beantworten kannst, spricht nichts gegen den Kauf oder den Druck.
Und wenn deine Boxen stehen: Wie du sie so beschriftest, dass alle im Haushalt Dinge wiederfinden, steht im Artikel Beschriften mit ADHS: Etiketten, Labels und Farbcodes, die im Alltag helfen.
Im kostenlosen Einstieg von orga:hörnchen, meinem Ordnungskurs zum Selbstlernen, lernst du, wie du an Ordnung herangehst, bevor du an Boxen denkst. Betrachte ihn als Geschenk von mir an dich. Und wenn du tiefer einsteigen willst: In Nuss 2 „Räume“ findest du ausführliche Raum-Guides für Kleiderschrank, Küche, Bad und weitere Bereiche.
Wann du beschriftest, Etiketten ohne Neukauf und Farbcodes, die allen im Haushalt helfen.
Artikel lesen →
Kleine Bereiche, Timer und die Unsicherheitsbox: So fällt der Anfang beim Aussortieren leichter.
Artikel lesen →
Welcher Bereich zuerst, warum du an deinen eigenen Sachen üben solltest und ein Ablauf für jede Schublade.
Artikel lesen →
Beim Abhängen aussortieren, mit Vorhandenem verstauen und so beschriften, dass du nächstes Jahr alles wiederfindest.
Artikel lesen →