Beschriften mit ADHS: Etiketten, Labels und Farbcodes, die im Alltag helfen

Was nicht beschriftet ist, ist mit ADHS schnell vergessen. Wann du beschriften solltest, welche Etiketten du ohne Neukauf machen kannst und wie Farben und Bilder allen im Haushalt beim Wiederfinden helfen.
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Darum gehts

Du öffnest den Schrank und stehst vor sechs gleichen Boxen. In einer müssen die Batterien sein. Also machst du alle sechs auf.

Oder jemand aus deiner Familie ruft zum dritten Mal am Tag: „Wo ist das Klebeband?“

Beschriftungen wirken wie eine Kleinigkeit. Gerade mit ADHS können sie aber einen großen Unterschied machen. In diesem Artikel geht es darum, wann du beschriftest, wie du es machst, ohne dafür etwas kaufen zu müssen, und wie Farben und Bilder allen im Haushalt helfen.

Warum Beschriften bei ADHS so viel bringt

Mit ADHS ist das Arbeitsgedächtnis oft schon im Alltag gut ausgelastet. Jeder Ort, den du dir merken musst, kostet zusätzlich Aufmerksamkeit.

Eine Beschriftung nimmt dir diese Arbeit ab. Du musst nicht mehr wissen, wo etwas liegt. Du musst nur noch lesen oder hinschauen. Das gilt beim Herausnehmen genauso wie beim Zurückräumen: Wer sieht, wo etwas hingehört, legt es auch eher dorthin zurück.

Farben und Bilder gehen noch einen Schritt weiter. Viele Menschen mit ADHS denken stark visuell. Eine Farbe oder ein Symbol erfasst du schneller als ein Wort.

Erst testen, dann beschriften

Beschrifte nicht gleich am ersten Tag.

Wenn dein Ordnungssystem steht, nutz es erst ein paar Tage ohne Beschriftung. Oft merkst du dann noch, dass etwas an einem anderen Platz besser aufgehoben ist oder dass zwei Kategorien zusammengehören. Erst wenn sich die Aufteilung bewährt hat, kommen die Etiketten.

Beschriften kannst du dann alles, was dir beim Wiederfinden hilft: Regalböden, Schubladen, Boxen, Dosen und Gläser. Vor allem nicht transparente Boxen und alles mit Deckel sollten außen beschriftet sein.

Was eine Grundordnung ausmacht und wie du feste Plätze für deine Dinge findest, steht im Artikel Ordnung halten bei ADHS: Wie eine Grundordnung im Alltag funktioniert.

Wer schaut drauf?

Bevor du überlegst, wo das Etikett hinkommt, frag dich: Wer schaut überhaupt drauf?

  • Ein Kind, das noch nicht lesen kann?
  • Ein älterer Mensch, der kleine Schrift schlecht erkennt?
  • Eine sehr große Person, die von oben auf die Regale schaut, oder eine kleine, die eher von unten draufsieht?
  • Jemand, der schneller auf Bilder und Farben reagiert als auf Wörter?

In Bereichen, die alle im Haushalt nutzen, etwa in der Küche, lohnt es sich, mehrere Bedürfnisse abzudecken: ein Bild und ein Wort. Zum Beispiel eine gezeichnete Dose und daneben „Brotdosen“. So findet sich das Schulkind genauso zurecht wie das jüngere Geschwisterkind, das noch nicht lesen kann.

Auch für ältere Menschen sind Bilder oft schneller zu erkennen. Und manchmal sind sie sogar eindeutiger als ein Wort. Auf einer Box steht „Batterien“, aber sind das die vollen oder die leeren? Ein Symbol mit einer vollen und eines mit einer leeren Batterie zeigt das sofort.

Von wo schaust du drauf?

Danach kommt die Frage, von wo geschaut wird:

  • Von vorn, wenn die Box im Regal auf Augenhöhe steht?
  • Von oben, wenn sie in einer Schublade liegt?
  • Von der Seite oder schräg, wenn sie weiter unten oder hinten steht?

Danach richten sich die Stelle für das Etikett und die Schriftgröße. Eine Beschriftung, die du nur siehst, wenn du die Box herausziehst, hilft dir wenig.

Handschrift, Labelgerät oder Bilder?

Handschrift

Schnell und unkompliziert. Gut für alles, dessen Inhalt öfter wechselt.

Ich selbst beschrifte fast alles mit Kreppband und einem dicken Stift. Ein Labelgerät habe ich auch, aber ich nutze es nicht, weil es mir zu umständlich ist. Kreppband hält gut, lässt sich rückstandsfrei abziehen und neu beschriften, wenn sich etwas ändert. Mir reicht das völlig.

Gedruckt oder mit Labelgerät

Sieht einheitlich aus und ist immer gut lesbar. Gut für Behälter, deren Inhalt gleich bleibt. Wenn du gern mit dem Labelgerät arbeitest, ist das eine schöne Lösung. Nötig ist es nicht.

Bilder und Farben

Für Kinder, die noch nicht lesen können, für ältere Menschen und für alle, die stark visuell denken, sind Bilder und Farben oft die bessere Wahl. Ein Foto von Socken auf der Sockenschublade versteht jedes Kind.

Etiketten mit dem, was du zu Hause hast

Du musst für Etiketten nichts Neues kaufen. Diese Ideen kannst du mit dem umsetzen, was bei vielen schon da ist:

  • Kreppband und ein dunkler Stift: hält auf Glas, Kunststoff, Holz und Metall. Vor dem Spülen abziehen und danach wieder aufkleben oder neu schreiben.
  • Anhänger für Körbe und Kisten: ein Stück Papier oder Pappe zuschneiden, lochen, beschriften und mit einer Kordel am Griff befestigen.
  • Sticker oder Ordner-Etiketten: Wenn du noch welche hast, halten sie gut auf glatten Oberflächen.
  • Magnete: Bei Metallboxen hältst du ein beschriftetes Stück Papier mit einem Magneten fest.
  • Gemeinsam mit der Familie: Sucht zusammen Bilder aus, druckt sie aus und befestigt sie mit Klebeband, Schnur oder Magnet. Wer mitgebastelt hat, weiß auch, wo was hingehört.

Farbcodes: Wer, was, wohin

Farben können dir auf zwei Arten helfen.

  • Pro Person: Jedes Familienmitglied bekommt eine Farbe, zum Beispiel für Handtücher, Trinkflaschen, Brotdosen oder das Fach an der Garderobe. Dann ist ohne Nachfragen klar, was wem gehört.
  • Pro Kategorie: Zum Beispiel Grün für alles rund ums Backen, Blau für Putzmittel, Gelb für Bastelsachen.

Halte das System übersichtlich. Fünf Farben merkt sich jeder, fünfzehn niemand. Wie du Farben und Symbole im Kinderzimmer einsetzen kannst, steht im Artikel Aufräumen mit Kindern mit ADHS.

Fotos vom Sollzustand

Beschriftungen zeigen, was in eine Box gehört. Ein Foto zeigt, wie ein ganzer Bereich aussehen soll.

So gehst du vor: Du stellst den gewünschten Zustand einmal her und machst ein Foto. Wichtig ist, dass auf dem Bild alles zu sehen ist, was in diesen Bereich gehört. Im Küchenschrank also an einem Tag, an dem nichts in der Spülmaschine steht und nichts gerade benutzt wird. Dann sieht jede*r auf einen Blick: Hier kommen alle Teller hin, dort die Schüsseln.

Das Foto klebst du an die Innenseite der Schranktür. Das hilft überall, wo mehrere Menschen etwas wegräumen oder schnell finden müssen:

  • Küche: Dort muss oft schnell etwas gehen, und manchmal hast du gerade die Hände nicht frei und jemand anderes muss etwas holen.
  • Bad und Medikamentenschrank: Wo sind die Pflaster, wo ist die Creme bei Verbrennungen?
  • Kleiderschrank: Gerade für Kinder, die selbstständiger werden sollen.
  • Schreibtisch: Ein Foto vom aufgeräumten Schreibtisch, direkt auf die Tischplatte geklebt, zeigt deinem Kind, was wo liegt.
  • Bett: Auch „So sieht mein gemachtes Bett aus“ kann für Kinder ein hilfreiches Bild sein.

Wie du solche Bilder im Kinderzimmer einsetzt, findest du auch im Artikel Aufräumen mit Kindern mit ADHS.

Lebensmittel: Was du beim Umfüllen beachten solltest

Bei Lebensmitteln musst du nichts umfüllen. Ungeöffnete Packungen kannst du so lagern, wie sie sind.

Wenn du doch umfüllst, zum Beispiel Nudeln oder Mehl in Gläser, übertrage zwei Dinge auf dein Etikett:

  • das Mindesthaltbarkeitsdatum
  • die Zubereitung, zum Beispiel die Kochzeit, wenn du sie nicht auswendig weißt

Sonst stehst du in ein paar Monaten vor einem Glas Reis und weißt weder, wie alt er ist, noch, wie lange er kochen muss.

Tipp aus der Logistik: First In, First Out

Diesen Tipp kenne ich aus meiner Ausbildung. Er kommt aus der Lagerlogistik, und vielleicht hast du ihn noch nie gehört: First In, First Out.

Das heißt: Was zuerst da war, wird auch zuerst verbraucht. Neue Vorräte stellst du deshalb immer hinter die älteren. So greifst du automatisch zuerst zu dem, was schon länger da ist, und weniger läuft ab.

Das hilft vor allem bei Lebensmitteln, aber auch bei Drogerieartikeln wie Duschgel oder Zahnpasta. Klappen kann es aber nur, wenn alle im Haushalt mitmachen.

Beschriftung hilft allen im Haushalt

Beschriftungen helfen nicht nur dir. Wenn alle im Haushalt sehen, wo etwas hingehört, musst du weniger erklären, erinnern und hinterherräumen.

Weniger „Wo ist …?“-Fragen heißt auch weniger Dinge, die nur in deinem Kopf gespeichert sind. Mehr dazu, wie ihr Wissen und Zuständigkeiten im Haushalt teilen könnt, findest du im Artikel Mental Load bei ADHS: Warum Haushalt mehr ist als Putzen und Aufräumen.

Im kostenlosen Einstieg von orga:hörnchen, meinem Ordnungskurs zum Selbstlernen, lernst du, wie du ein Ordnungssystem aufbaust, bevor du an Etiketten denkst. Betrachte ihn als Geschenk von mir an dich. Und in Nuss 2 „Räume“ findest du ausführliche Raum-Guides für Kleiderschrank, Küche, Bad und weitere Bereiche.

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