Dein Kind hat die ADHS-Diagnose: Was jetzt für eure Ordnung hilft

Dein Kind hat gerade die Diagnose ADHS bekommen, und jetzt fragst du dich, was das für euren Alltag zu Hause bedeutet? Warum du zuerst dein Kind fragst, wie du die richtigen Fragen stellst und wo du als Elternteil Unterstützung findest.
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Darum gehts

Die Diagnose ist da. Vielleicht bist du erleichtert, weil es endlich eine Erklärung gibt. Vielleicht bist du auch erst einmal überfordert. Denn jetzt kommt vieles auf einmal: Gespräche mit der Schule, weitere Termine, vielleicht die Frage nach Medikamenten.

Und irgendwo dazwischen die Frage: Was heißt das für unseren Alltag zu Hause? Müssen wir jetzt das Kinderzimmer umbauen, neue Kisten kaufen, alles anders machen?

Die kurze Antwort: Nein, nicht alles auf einmal. Und vor allem nicht, ohne dein Kind zu fragen.

Wichtig vorweg: Ich bin Ordnungscoach, keine Ärztin und keine Therapeutin. Bei Fragen zur Behandlung deines Kindes ist die Praxis, die die Diagnose gestellt hat, die richtige Anlaufstelle.

Zuerst dein Kind fragen, dann etwas ändern

Nach einer Diagnose ist die Versuchung groß, sofort loszulegen. Du liest, was anderen Familien geholfen hat, findest schöne Ideen für das Kinderzimmer und willst alles umsetzen. Das Problem: Was du gelesen hast oder was dir selbst gefällt, muss für dein Kind nicht passen.

Stell deshalb dein Kind in den Mittelpunkt. Es weiß oft sehr genau, was es stört, auch wenn es das noch nicht in Worte fassen kann. Und die Antworten können ganz unterschiedlich sein:

  • „Mich lenken die Sachen auf meinem Schreibtisch ab.“
  • „Bei den Hausaufgaben muss ich Musik hören.“
  • „Ich brauche Kisten mit Deckel, damit ich nicht immer alles sehe.“
  • „Ich brauche durchsichtige Kisten, sonst weiß ich nicht, wo was drin ist.“

Die letzten beiden Antworten widersprechen sich, und beide sind richtig. Genau deshalb gibt es kein Ordnungssystem, das für alle Kinder mit ADHS passt.

Warum „Was brauchst du?“ nicht reicht

Wenn du dein Kind fragst „Was brauchst du?“, bekommst du wahrscheinlich ein Schulterzucken. Kinder wissen meist nicht, was sie brauchen. Du musst sie da hinführen, mit gezielten Fragen und ein paar Antworten zur Auswahl.

Ein Beispiel: „Was hält dich morgens am meisten davon ab, pünktlich aus dem Haus zu kommen?“

  • Aufstehen
  • Anziehen
  • Zähne putzen
  • den Schulranzen packen

Mit drei, vier Möglichkeiten kann dein Kind viel leichter antworten. Und du weißt danach, wo ihr anfangt. Weitere Fragen, die du stellen kannst:

  • Was lenkt dich bei den Hausaufgaben am meisten ab?
  • Was suchst du am häufigsten?
  • Möchtest du sehen, was in deinen Kisten ist, oder lieber nicht?
  • Wann fällt dir Aufräumen am schwersten: morgens, nach der Schule oder abends?

Ab welchem Alter dein Kind mitmachen kann

Ungefähr ab fünf oder sechs Jahren kann ein Kind gut mitreden und mitmachen. Bei manchen Kindern klappt das erst später, das hängt davon ab, wie sich dein Kind entwickelt hat. Das weißt du selbst am besten.

Wenn ich mit Familien arbeite, beziehe ich das Kind mit ein, sofern die Eltern das möchten. Ich spreche mit dem Kind und gehe mit ihm durch seine Sachen, als wäre es meine Hauptkundin oder mein Hauptkunde. Dabei gehe ich vor wie bei Erwachsenen auch: Was brauchst du? Was stresst dich am meisten? Wo ist der größte Hebel? Genau diesen Bereich gehen wir dann an, und zwar so, dass das Kind mitmachen kann.

Kurze Einheiten, gern mit Spiel

Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ist ohnehin kurz, bei Kindern mit ADHS meist noch einmal deutlich kürzer. Eine Stunde gemeinsames Aufräumen am Samstag endet deshalb oft im Streit.

Besser sind kurze, intensive Einheiten, die abwechslungsreich sind. Ein Spielelement hilft dabei sehr, heute nennt man das Gamification. Zum Beispiel: Schaffen wir es, die Legosteine in die Kiste zu räumen, bevor das Lied zu Ende ist? Oder: Für jede erledigte Aufgabe gibt es einen Punkt, und bei drei Punkten sucht dein Kind das nächste Abendessen aus.

Wie das konkret aussehen kann, zeige ich dir im Artikel Aufräumen mit Kindern mit ADHS.

Schritt für Schritt, und mit viel Geduld

Ändere nicht alles auf einmal. Nimm dir eine Sache vor, zum Beispiel den Morgen oder den Schreibtisch. Schau, wie dein Kind damit zurechtkommt, und passe an, was nicht passt. Erst dann kommt der nächste Bereich.

Und rechne damit, dass es dauert. „Das haben wir doch letzte Woche geübt, das muss doch jetzt sitzen“: Nein, das muss es nicht. Neue Abläufe brauchen bei Kindern mit ADHS oft viel länger, als du denkst. Das heißt, du brauchst Geduld, auch wenn du selbst vielleicht nicht der geduldigste Mensch bist.

Mehr zu den einzelnen Bereichen findest du in diesen Artikeln:

Hilfe für dich als Elternteil

Für Eltern von Kindern mit ADHS gibt es eigene Kurse, oft Elterntraining genannt. Dort lernst du, wie du mit schwierigen Situationen im Alltag umgehen kannst, und du triffst andere Eltern, denen es genauso geht.

Online und kostenlos

  • ADHS-Elterntrainer der AOK: ein Online-Training mit vielen kurzen Videos, entwickelt von Prof. Dr. Manfred Döpfner. Es geht um Alltagssituationen wie Hausaufgaben, Streit unter Geschwistern, Mediennutzung oder das unordentliche Kinderzimmer, und auch darum, wie du selbst auf dich achtest. Du kannst es auch ohne AOK-Versicherung nutzen und sofort anfangen, in deinem Tempo und ohne Wartezeit. Du findest es unter adhs.aok.de.
  • Facebook-Gruppen: Zu ADHS gibt es viele Gruppen, auch speziell für Eltern. Dort kannst du Fragen stellen, Tipps aus dem Alltag anderer Familien bekommen und dich mit Menschen austauschen, die genau wissen, wovon du sprichst. Schau dir ein paar Gruppen an, bevor du dich für eine entscheidest. Tipps von anderen Eltern ersetzen keine fachliche Beratung, gerade bei Fragen zu Medikamenten oder Therapie.

Vor Ort: Elterngruppen und Selbsthilfe

  • Elterngruppen an Uni-Ambulanzen und Kliniken: Viele Psychotherapie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche bieten Elterntrainings in Gruppen an, zum Beispiel die Universität Trier. Frag in der Praxis, die dein Kind diagnostiziert hat, nach Angeboten in deiner Nähe, oder in eurer Kinderarztpraxis.
  • Selbsthilfegruppen: ADHS Deutschland e. V. hat Regionalgruppen in ganz Deutschland, darunter auch Gruppen für Eltern.
  • Deine Krankenkasse: Einige Kassen bieten eigene Programme für Eltern an. Ein Anruf oder ein Blick auf die Website lohnt sich.

Und wenn du dich selbst wiedererkennst?

Viele Eltern füllen die Fragebögen für ihr Kind aus und denken plötzlich: Das bin ja ich. Wenn es dir so geht, findest du im Artikel ADHS ohne Diagnose: Was du jetzt schon für deine Ordnung tun kannst meine eigene Geschichte und Hilfe, die du ohne Diagnose nutzen kannst.

So kannst du weitermachen

Wenn du die Ordnung zu Hause Schritt für Schritt umstellen willst und dabei jemanden an deiner Seite brauchst, gibt es mein Cheerleading. Es richtet sich an dich als Mutter, Vater oder erziehungsberechtigte Person, bezieht aber dein Kind mit ein.

Du bekommst jeden Tag eine Nachricht mit einer Aufgabe, die auf euren Alltag zugeschnitten und in kurzer Zeit machbar ist. Alle zwei Wochen sprechen wir miteinander: Wie läuft es? Was klappt schon gut, was nicht? Wie kannst du dein Kind besser einbinden? Und wer in der Familie übernimmt was?

Besonders viel bringt das, wenn du selbst ADHS hast oder es vermutest. Dann geht es nicht nur um die Ordnung deines Kindes, sondern um ein System, das für euch beide passt.

Das Cheerleading kostet 80 Euro im Monat bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten, denn neue Gewohnheiten brauchen Zeit, bei dir und bei deinem Kind. Ob es zu euch passt, finden wir im kostenlosen Erstgespräch heraus.

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