Die Diagnose ist da. Vielleicht bist du erleichtert, weil es endlich eine Erklärung gibt. Vielleicht bist du auch erst einmal überfordert. Denn jetzt kommt vieles auf einmal: Gespräche mit der Schule, weitere Termine, vielleicht die Frage nach Medikamenten.
Und irgendwo dazwischen die Frage: Was heißt das für unseren Alltag zu Hause? Müssen wir jetzt das Kinderzimmer umbauen, neue Kisten kaufen, alles anders machen?
Die kurze Antwort: Nein, nicht alles auf einmal. Und vor allem nicht, ohne dein Kind zu fragen.
Wichtig vorweg: Ich bin Ordnungscoach, keine Ärztin und keine Therapeutin. Bei Fragen zur Behandlung deines Kindes ist die Praxis, die die Diagnose gestellt hat, die richtige Anlaufstelle.
Nach einer Diagnose ist die Versuchung groß, sofort loszulegen. Du liest, was anderen Familien geholfen hat, findest schöne Ideen für das Kinderzimmer und willst alles umsetzen. Das Problem: Was du gelesen hast oder was dir selbst gefällt, muss für dein Kind nicht passen.
Stell deshalb dein Kind in den Mittelpunkt. Es weiß oft sehr genau, was es stört, auch wenn es das noch nicht in Worte fassen kann. Und die Antworten können ganz unterschiedlich sein:
Die letzten beiden Antworten widersprechen sich, und beide sind richtig. Genau deshalb gibt es kein Ordnungssystem, das für alle Kinder mit ADHS passt.
Wenn du dein Kind fragst „Was brauchst du?“, bekommst du wahrscheinlich ein Schulterzucken. Kinder wissen meist nicht, was sie brauchen. Du musst sie da hinführen, mit gezielten Fragen und ein paar Antworten zur Auswahl.
Ein Beispiel: „Was hält dich morgens am meisten davon ab, pünktlich aus dem Haus zu kommen?“
Mit drei, vier Möglichkeiten kann dein Kind viel leichter antworten. Und du weißt danach, wo ihr anfangt. Weitere Fragen, die du stellen kannst:
Ungefähr ab fünf oder sechs Jahren kann ein Kind gut mitreden und mitmachen. Bei manchen Kindern klappt das erst später, das hängt davon ab, wie sich dein Kind entwickelt hat. Das weißt du selbst am besten.
Wenn ich mit Familien arbeite, beziehe ich das Kind mit ein, sofern die Eltern das möchten. Ich spreche mit dem Kind und gehe mit ihm durch seine Sachen, als wäre es meine Hauptkundin oder mein Hauptkunde. Dabei gehe ich vor wie bei Erwachsenen auch: Was brauchst du? Was stresst dich am meisten? Wo ist der größte Hebel? Genau diesen Bereich gehen wir dann an, und zwar so, dass das Kind mitmachen kann.
Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ist ohnehin kurz, bei Kindern mit ADHS meist noch einmal deutlich kürzer. Eine Stunde gemeinsames Aufräumen am Samstag endet deshalb oft im Streit.
Besser sind kurze, intensive Einheiten, die abwechslungsreich sind. Ein Spielelement hilft dabei sehr, heute nennt man das Gamification. Zum Beispiel: Schaffen wir es, die Legosteine in die Kiste zu räumen, bevor das Lied zu Ende ist? Oder: Für jede erledigte Aufgabe gibt es einen Punkt, und bei drei Punkten sucht dein Kind das nächste Abendessen aus.
Wie das konkret aussehen kann, zeige ich dir im Artikel Aufräumen mit Kindern mit ADHS.
Ändere nicht alles auf einmal. Nimm dir eine Sache vor, zum Beispiel den Morgen oder den Schreibtisch. Schau, wie dein Kind damit zurechtkommt, und passe an, was nicht passt. Erst dann kommt der nächste Bereich.
Und rechne damit, dass es dauert. „Das haben wir doch letzte Woche geübt, das muss doch jetzt sitzen“: Nein, das muss es nicht. Neue Abläufe brauchen bei Kindern mit ADHS oft viel länger, als du denkst. Das heißt, du brauchst Geduld, auch wenn du selbst vielleicht nicht der geduldigste Mensch bist.
Mehr zu den einzelnen Bereichen findest du in diesen Artikeln:
Für Eltern von Kindern mit ADHS gibt es eigene Kurse, oft Elterntraining genannt. Dort lernst du, wie du mit schwierigen Situationen im Alltag umgehen kannst, und du triffst andere Eltern, denen es genauso geht.
Viele Eltern füllen die Fragebögen für ihr Kind aus und denken plötzlich: Das bin ja ich. Wenn es dir so geht, findest du im Artikel ADHS ohne Diagnose: Was du jetzt schon für deine Ordnung tun kannst meine eigene Geschichte und Hilfe, die du ohne Diagnose nutzen kannst.
Wenn du die Ordnung zu Hause Schritt für Schritt umstellen willst und dabei jemanden an deiner Seite brauchst, gibt es mein Cheerleading. Es richtet sich an dich als Mutter, Vater oder erziehungsberechtigte Person, bezieht aber dein Kind mit ein.
Du bekommst jeden Tag eine Nachricht mit einer Aufgabe, die auf euren Alltag zugeschnitten und in kurzer Zeit machbar ist. Alle zwei Wochen sprechen wir miteinander: Wie läuft es? Was klappt schon gut, was nicht? Wie kannst du dein Kind besser einbinden? Und wer in der Familie übernimmt was?
Besonders viel bringt das, wenn du selbst ADHS hast oder es vermutest. Dann geht es nicht nur um die Ordnung deines Kindes, sondern um ein System, das für euch beide passt.
Das Cheerleading kostet 80 Euro im Monat bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten, denn neue Gewohnheiten brauchen Zeit, bei dir und bei deinem Kind. Ob es zu euch passt, finden wir im kostenlosen Erstgespräch heraus.
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