Im Kinderzimmer kommst du kaum noch durch. Die Hose von letztem Monat ist schon wieder zu kurz. Jeden Abend gibt es dieselbe Diskussion ums Aufräumen. Und irgendwo in einem der Stapel liegt das Formular, das morgen in der Schule sein muss.
Wenn du selbst ADHS hast und dein Kind auch, fühlt es sich oft so an, als würdet ihr gegeneinander statt miteinander arbeiten. Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal angehen.
Ich schreibe hier von Müttern, weil ich mit Müttern arbeite. Väter und andere Erziehungsberechtigte sind natürlich genauso gemeint und können genauso mitmachen.
Du organisierst nicht nur dich selbst, sondern gleichzeitig dein Kind. Du behältst den Überblick über seine Sachen, seine Termine, seine Kleidung und seine Unterlagen, und das, während dein eigener Kopf ohnehin schon viele Dinge gleichzeitig jongliert.
Dazu kommt: Bei Kindern mit ADHS reifen manche Bereiche des Gehirns, die für Planen und Aufmerksamkeit wichtig sind, im Schnitt etwa drei Jahre später als bei anderen Kindern (NIH, 2007). Das sind Durchschnittswerte und sagen nichts über dein Kind aus. Sie erklären aber, warum vieles länger dauert und mehr Begleitung braucht, als Ratgeber oft versprechen.
Egal, wo du anfängst, ein paar Grundsätze ziehen sich durch alles:
Im Kinderzimmer sammelt sich schnell mehr, als dein Kind überblicken kann. Jedes Teil, das herumsteht, ist ein Reiz und eine Entscheidung mehr, für dein Kind und für dich.
Ausmisten finden viele Kinder sogar spannend, wenn es ein Ziel gibt, das sie selbst gut finden, zum Beispiel mehr Platz für die Puppen.
Was darf bleiben und wer entscheidet das?
→ Kinderzimmer ausmisten mit Kindern – ausführlicher Artikel
Kinder wachsen nicht nach Plan. Nach einem Schub passen gleich mehrere Teile nicht mehr, und mit ADHS wird der nächste Einkauf schnell zum großen To-do.
Bei Kleidung zählt vor allem die Passform, nicht (nur) der Geschmack. Dazu kommt die Haptik: Was kratzt, juckt oder zieht, bleibt im Schrank liegen.
Was passt noch, wann kaufst du neu und was passiert mit Erinnerungsstücken?
→ Kinderkleidung ausmisten und organisieren – ausführlicher Artikel
Aufräumen ist für viele Kinder langweilig, fast eine Strafe. Dabei gehört es zum Alltag dazu und macht das Zusammenleben einfacher.
Mit einem Abend-Refresh, einem Sammelkorb und einer Routinetafel wird Aufräumen Schritt für Schritt Teil des Tages. Am Anfang bist du viel dabei und „trainierst“ mit deinem Kind.
Wie wird Aufräumen Alltag statt Streit?
→ Aufräumen mit Kindern mit ADHS – ausführlicher Artikel
Zeugnisse, Ausweise, Arztbriefe, Verträge: Die Unterlagen deines Kindes verteilen sich schnell auf viele Stapel und Ordner.
Mit einem Ordner pro Kind und klaren Registern findest du alles wieder, und dein Kind bekommt mit 18 alles, was es braucht.
Wo liegt was und was muss gar nicht erst aufgehoben werden?
→ Kinderunterlagen ordnen – ausführlicher Artikel
Ordnung ist nicht die Aufgabe von „Mama“ allein. Wie ihr sie aufteilt, hängt stark von eurer Familie ab. Was sich aber bewährt hat: Kinder früh einbinden. So verstehen sie, was ein Haushalt und ein geordneter Alltag bedeuten. Und wenn du selbst nicht besonders strukturiert bist, hilft es dir genauso.
Nehmt euch einmal pro Woche Zeit, um als Familie die Woche durchzugehen, zum Beispiel am Sonntagabend oder beim gemeinsamen Frühstück am Samstag. Ein fester Termin, jede Woche.
Dabei könnt ihr besprechen:
Stimmt die To-dos pro Tag ab. Sonst will jemand am Dienstag den Flur wischen, obwohl der Flur erst am Donnerstag aufgeräumt wird.
Schreibt das Ergebnis in einen Wochenplan, den alle sehen können. Für Kinder, die noch nicht lesen, mit Bildern statt Text.
Welche Aufgaben dein Kind übernehmen kann, hängt weniger vom Alter ab als von Reife und Fähigkeiten. Und auch Vorlieben dürfen mitzählen: Was dein Kind gern macht, wird eher zur Gewohnheit.
Eine Familie, mit der ich arbeite, macht zum Beispiel Socken-Memory: Wer findet mehr passende Paare und legt sie zusammen?
Weitere Aufgaben, die Kinder übernehmen können:
Neue Aufgaben zeigst und erklärst du zuerst: „Guck mal, so machen wir die Toilette sauber.“ Danach macht ihr es gemeinsam und je nach Fähigkeit macht das Kind es irgendwann allein.
Tauscht die Aufgaben regelmäßig. Wer nicht jede Woche dasselbe macht, bleibt eher dabei. Gerade mit ADHS hilft Abwechslung.
Gerade Kinder mit ADHS lassen sich oft gut über ein Spiel packen:
Damit ihr direkt loslegen könnt, habe ich euch Vorlagen zusammengestellt: einen Wochenplan, ein Protokoll für eure Familienkonferenz und einen Aufgabenpool zum Ausfüllen mit vielen Ideen. Ihr könnt sie ausdrucken oder direkt am Laptop oder Tablet ausfüllen.
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Ausmisten bringt wenig, wenn bei jedem Geburtstag und jedem Feiertag wieder ein Berg Neues einzieht. Deshalb lohnt sich der Blick darauf, was überhaupt reinkommt.
Eine Wunschliste. Macht mit eurem Kind eine Wunschliste. Verwandte geben euch das Geld, und ihr besorgt die Wünsche selbst.
Eine geteilte Wunschliste. Es gibt Wunschlisten, die ihr mit Familie und Freund*innen teilen könnt. Wer etwas kauft, hakt es ab, und alle sehen, was noch offen ist. So kommt nichts doppelt.
Ein klares Limit. „Dieses Jahr bitte nur ein Geschenk.“ Das ist nicht immer leicht zu sagen, weil man ein Geschenk ungern ablehnt. Aber es ist ehrlich.
Erlebnisse statt Dinge. Fragt euer Kind, was es gern machen würde. Sagt den Verwandten, zum Beispiel den Großeltern, dass ihr euch dieses Jahr lieber einen gemeinsamen Ausflug in den Zoo wünscht als das nächste Spiel. Familienausflüge sind teuer geworden, und sie bleiben viel länger in Erinnerung als das dritte Spielzeug, das dem zweiten ähnelt.
Geld fürs Kind. Bei Verwandten, mit denen ihr weniger unternehmt, kann ein Geldgeschenk die beste Lösung sein. Das Geld kommt auf ein Sparkonto oder eine andere Geldanlage für euer Kind und hilft ihm langfristig.
Frag dich: Was nervt mich gerade am meisten?
Und wenn überall Chaos ist? Dann wählst du trotzdem einen Bereich und ein Kind nach dem anderen.
Du weißt vielleicht längst, was dran wäre. Der schwierige Teil ist, anzufangen und dranzubleiben, für dich und für dein Kind gleichzeitig.
Im Cheerleading schauen wir gemeinsam, was bei euch gerade dran ist. Am Anfang steht ein ausführliches Check-in-Gespräch: Was klappt schon? Wo hängt es? Wer macht mit? Danach bekommst du Aufgaben, die auf euren Familienalltag zugeschnitten sind und in kurzer Zeit machbar bleiben. Ich hake nach, wie es gelaufen ist.
Vorher gibt es immer ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir schauen, ob wir zusammenpassen.
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