Geschenke sollen Freude machen. Und trotzdem stehen viele von uns nach einem Fest zwischen neuen Dingen, für die es keinen Platz gibt, Geschenken, die nicht passen, und einer Schublade voller Geschenkpapier und Tüten.
Das gilt für Weihnachten genauso wie für Geburtstage, Hochzeiten, Ostern oder das Zuckerfest. In diesem Artikel geht es darum, wie du schon vor einem Anlass entspannter schenkst und beschenkt wirst und wie du danach mit dem umgehst, was neu ins Haus kommt.
Mit ADHS sind Geschenke oft eine Last-Minute-Aufgabe. Der Termin steht seit Monaten fest, fühlt sich aber erst dringend an, wenn er übermorgen ist. Dann bleibt wenig Zeit, und die Suche nach dem passenden Geschenk wird stressig.
Was mir hilft: eine Notiz im Handy, zum Beispiel „Geschenkideen“, mit einem Abschnitt pro Person. Wenn jemand im Laufe des Jahres nebenbei erwähnt, dass er etwas braucht oder sich etwas wünscht, schreibe ich es sofort dazu. Vor dem nächsten Geburtstag oder der nächsten Feier muss ich dann nicht mehr überlegen, sondern nur noch nachschauen.
Wenn du Geschenke früh kaufst, leg sie an einen festen Ort, zum Beispiel in eine Kiste ganz oben im Schrank. Und schreib in deine Notiz, was du schon besorgt hast.
Sonst passiert das, was viele kennen: Das Geschenk ist so gut versteckt, dass du es vor dem Fest nicht mehr findest oder vergessen hast, dass du es schon hast. Und dann kaufst du ein zweites.
Ich freue mich, wenn Menschen wissen, was sie sich wünschen. Eine Wunschliste hilft beiden Seiten: Wer schenkt, kann einen echten Wunsch erfüllen. Und wer beschenkt wird, behält ein bisschen die Kontrolle darüber, was ins Haus kommt.
Von Hochzeiten kennt man das als Wunschliste oder Geschenketisch. Das Prinzip passt aber zu jedem Anlass. Viele Wunschlisten lassen sich heute online teilen. Dann sehen alle, was schon vergeben ist, und es gibt keine Dopplungen.
Wenn ein Wunsch zu teuer ist, tut euch zusammen. In vielen Freundeskreisen würde jede Person vielleicht 20 Euro ausgeben, der Wunsch kostet aber 100. Zu fünft ist das kein Problem. Oder du nimmst das Thema der Wunschliste auf und suchst etwas Passendes in deinem Budget, oder verpackst ein Geldgeschenk in der Themenwelt.
Erlebnisgeschenke gelten oft als Lösung gegen zu viel Zeug. Hier kommt meine ganz persönliche Meinung, und die gilt sicher nicht für alle: Ich unternehme gern etwas zusammen, aber ungern an festen Terminen. Liegt der Termin bald, ist oft schon etwas anderes geplant. Liegt er mehr als ein halbes Jahr in der Zukunft, ist mir das zu unsicher.
Andere freuen sich sehr über Erlebnisse und sind dabei ganz flexibel. Gerade viele Menschen mit ADHS sagen kurzfristig gern zu, andere brauchen lieber Planbarkeit. Schau also, wie die Person tickt, die du beschenkst. Und wenn sie nicht so der spontane Typ ist, lass ihr die Freiheit, den Termin selbst zu wählen.
Wenn in einer Familie oder einem Freundeskreis sehr unterschiedliche Budgets zusammenkommen, hilft es, offen darüber zu sprechen. Zum Beispiel: „Ich schenke gern etwas, kann dieses Jahr aber nicht viel ausgeben. Ich überlege mir trotzdem etwas.“ Das ist völlig in Ordnung.
Gerade unter Freund*innen oder Kolleg*innen kann auch ein festes Limit helfen, zum Beispiel 15 oder 30 Euro pro Person. Dann sind die Geschenke ungefähr gleichwertig, und niemand fühlt sich unter Druck.
Eine schöne Lösung für größere Runden ist Wichteln. Statt dass alle allen etwas schenken, zieht jede Person einen Namen und besorgt genau ein Geschenk, in einem vorher abgesprochenen Budget. So bekommt jede*r etwas, aber niemand muss fünf Geschenke kaufen.
Bei Freund*innen habe ich das schon innerhalb der Familie gesehen: Die Erwachsenen wichteln, für die Kinder gibt es eine Ausnahme. Und aus Firmen oder Schulen kennt man es von der Weihnachtsfeier. Das Prinzip lässt sich auf jede Runde übertragen.
Wenn jemand sagt „Ich möchte nichts“, dann nimm das ernst. Ein Geschenk ist an keine Bedingung geknüpft. Wer das sagt, sollte es aber auch so meinen und nicht insgeheim doch auf etwas warten.
Viele schöne Geschenke kosten wenig oder gar nichts: gemeinsam kochen, einen Film zusammen schauen, Zeit miteinander verbringen.
Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zur Hochzeit: Geschenke, die du nicht willst, darfst du weitergeben. Ein Geschenk soll Freude machen. Wenn es das nicht tut, muss es nicht jahrelang in deinem Schrank liegen.
Bevor du es weiterverschenkst, verkaufst oder umtauschst, kannst du die Person fragen, die es dir geschenkt hat. Wer schenkt, wählt oft Dinge, die er selbst mag. Zum Beispiel so: „Das war lieb von dir, aber ich habe dafür leider keine Verwendung. Möchtest du es selbst haben? Sonst würde ich es gern weiterschenken.“
Ob du das ansprichst, hängt von eurer Beziehung ab. Es gibt aber einen guten Grund dafür: Wenn du so tust, als würdest du dich freuen, bekommst du beim nächsten Mal womöglich wieder dasselbe.
In manchen Familien oder Freundeskreisen hilft auch eine feste Absprache: Bei Sachgeschenken liegt immer der Kassenbon dabei. Dann kann jede*r umtauschen, ohne dass es unangenehm wird. Wenn du umtauschen willst, mach es zeitnah, denn Umtausch- und Rückgabefristen sind oft begrenzt. Leg das Geschenk mit Kassenbon an deinen Platz für Dinge mit Frist und trag dir einen Termin ein.
Nach einem Fest landen neue Dinge schnell irgendwo: der Pulli auf dem Stuhl, das Buch auf der Fensterbank, die Kerze auf dem Küchentresen.
Gib jedem neuen Ding gleich in den ersten Tagen einen festen Platz. Wenn keiner frei ist, ist das ein guter Anlass, dir den Bereich anzuschauen: Gibt es dort etwas, das du durch das Neue nicht mehr brauchst?
Mein Tipp: One In, One Out. Kommt etwas Neues dazu, geht dafür etwas Altes aus derselben Kategorie. Ein neues Buch zieht ein, ein altes wird weiterverschenkt. Eine neue Jacke kommt, eine andere geht. So wächst deine Sammlung nicht unbemerkt weiter, und du musst nicht jedes Jahr groß ausmisten.
Wenn du merkst, dass es mehr als ein paar Dinge sind, findest du im Artikel Ausmisten bei ADHS: So kommst du ins Tun einen Einstieg, ohne dich zu übernehmen.
Bei Kindern ist die Geschenkflut oft am größten, ob zum Geburtstag oder zu Weihnachten: Eltern, Großeltern, Tanten, Paten, und alle bringen etwas mit. Hier gilt dasselbe wie für Erwachsene: lieber weniger Zeug und mehr gemeinsame Erlebnisse. Und eine geteilte Wunschliste, damit nichts doppelt kommt.
Auch One In, One Out kannst du mit Kindern ausprobieren: Für jedes neue Spielzeug darf ein altes zu einem anderen Kind wandern. Wichtig ist, dass dein Kind selbst aussucht, was geht.
Wie du mit deinen Kindern das Kinderzimmer ausmistest und wer dabei was entscheidet, steht im Artikel Kinderzimmer ausmisten.
Verpackungsmaterial sammelt sich über die Jahre an, weil man es „noch mal verwenden kann“. Dabei braucht man davon erstaunlich wenig.
Ich hatte jahrelang nur ein einziges Geschenkpapier: weiß mit goldenen Streifen, ohne Motive. Das passt zu Geburtstagen, Weihnachten, Hochzeiten und Geburten, schlicht und trotzdem schön. Die Rolle hat bestimmt fünf Jahre gehalten, und es war immer noch etwas übrig.
Für den Anlass reicht dann ein passendes Band, bei mir Gold oder Rot, oder ein Sticker. So brauchst du nicht für jedes Fest eigenes Papier.
Wenn dir das Verpacken Spaß macht und du darin ein Hobby siehst, darfst du natürlich mehr Bänder haben. Sonst lohnt sich die ehrliche Frage, ob du dreißig verschiedene brauchst, oder ob zwei, drei schlichte reichen.
Ich habe nie selbst Geschenktüten gekauft. Alle, die ich hatte, waren selbst Verpackung von Geschenken an mich. Ich selbst packe fast alles in Papier ein. Beim Ausmisten vor meinem Umzug waren die Tüten deshalb eine eigene Runde.
Diese Fragen helfen beim Aussortieren:
Wenn du Tüten nicht nutzt, kannst du sie spenden. Und wenn du doch eine neue kaufst, nimm eine schlichte ohne Motiv. Die wird Teil des Geschenks, denn wer sie bekommt, kann sie zu jedem Anlass weiterverwenden.
Für alles zusammen hilft eine feste Grenze: eine Kiste oder Tüte für Verpackungsmaterial. Was hineinpasst, bleibt.
Und ehrlich gesagt: Es muss nicht immer Geschenkpapier sein. Ich habe Geschenke auch schon in Zeitungspapier verpackt, in einen Schuhkarton gelegt oder im Versandkarton übergeben. Beim Auspacken geht es um die Überraschung, und die bleibt dieselbe. Es geht nicht um die Verpackung, sondern um das Geschenk und vor allem um die Geste.
Und wenn du nach dem nächsten Fest mit mehr Ordnung weitermachen möchtest, ohne gleich alles auf einmal anzugehen:
Genau dafür gibt es den kostenlosen Einstieg in orga:hörnchen, meinen Ordnungskurs zum Selbstlernen. Betrachte ihn als Geschenk von mir an dich: Du lernst in deinem Tempo, wie du an Ordnung herangehst, und entscheidest danach selbst, ob du weitermachen möchtest.
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