Kinderkleidung ausmisten

Kinderkleidung ausmisten heißt vor allem, eine Frage zu stellen: Passt es noch? Hier erfährst du, wie du Kinderkleidung ausmistest und organisierst, wenn ihr beide ADHS habt, und was du mit Erinnerungsstücken machst.
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Darum gehts

Der Lieblingspulli hat Löcher an beiden Ellenbogen. Die Hose endet schon über dem Knöchel. Und ganz unten im Schrank liegt eine Jacke, die dein Kind seit dem Frühling nicht mehr anhatte. Wenn du selbst ADHS hast, fällt so etwas oft erst auf, wenn es morgens schnell gehen muss und nichts mehr passt.

Ich schreibe hier von Müttern, weil ich mit Müttern arbeite. Väter und andere Erziehungsberechtigte sind natürlich genauso gemeint und können genauso mitmachen.

Bei Kinderkleidung entscheidet zuerst die Passform, nicht (nur) der Geschmack

Beim Spielzeug entscheiden Kinder selbst, was bleiben darf. Bei Kleidung ist das anders. Hier zählt zuerst, ob etwas passt. Auch das liebste Teil muss aus dem Schrank, wenn es zu klein ist. Ist es noch gut erhalten und hängt viel daran, darf es in die Erinnerungskiste.

Das klingt hart, macht das Ausmisten aber einfacher. Du musst nicht lange diskutieren, ob etwas schön ist. Du prüfst, ob es noch passt.

Ob etwas gut aussieht, ist bei Kleinkindern sowieso Nebensache. Wichtig ist, dass die Kleidung bequem ist, passt und dein Kind sich darin gut bewegen kann.

Kinderkleidung ausmisten: kaputt, zu klein oder noch gut?

Beim Kinderkleidung ausmisten lohnt sich ein nüchterner Blick. Für jedes Teil gibt es drei Möglichkeiten:

  • Passt und ist in Ordnung: bleibt im Schrank.
  • Zu klein, aber gut erhalten: wird verkauft, verschenkt oder gespendet.
  • Kaputt: Lässt es sich retten, und lohnt sich der Aufwand? Wenn nicht, kommt es weg.

Löcher an einem Teil, das dein Kind gern trägt, sind nicht direkt ein Grund zum Aussortieren. Flicken oder weiter tragen, solange es noch in einem ordentlichen Zustand ist, passt völlig.

Und bevor du Zu-Kleines in eine Kiste fürs Geschwisterkind packst: Lies weiter unten, warum ich davon wenig halte.

Wohin mit den aussortierten Sachen, steht ausführlich im Artikel Kinderzimmer ausmisten mit Kindern. Spendenannahmestellen in deiner Nähe findest du auf wohindamit.org.

Was dein Kind nicht erkennt

Je älter dein Kind wird, desto mehr darf es mitentscheiden. Ein Auge musst du trotzdem darauf haben.

Manches sieht dein Kind gar nicht, zum Beispiel ein Loch hinten am Rücken. Anderes sieht es, versteht aber nicht, dass es ein Problem ist. Dass die Ärmel zu kurz sind, merkt ein Kind oft. Dass der Pulli deshalb nicht mehr passt, merkt es oft nicht.

Besonders bei Schuhen lohnt sich ein regelmäßiger Blick, denn aus Schuhen wachsen Kinder schnell heraus. Achte darauf, ob dein Kind anders läuft als sonst oder über drückende Schuhe klagt. Das sehen Mütter meist selbst, aber im Alltag rutscht es leicht durch.

Zu große Kleidung: ab nach oben

Kleidung, die noch zu groß ist, muss nicht den Kinderschrank verstopfen. Nutz die Höhe des Raums: Eine Kiste oben auf dem Schrank reicht. Beschrifte sie mit der Größe, damit du nicht jedes Mal suchen musst.

Wann kaufe ich neu?

Nach einem Wachstumsschub passt selten ein einzelnes Oberteil nicht mehr. Meist sind es gleich vier oder fünf, dazu die Hose und die Schuhe.

Was nach einem Einkauf am Nachmittag klingt, ist mit ADHS oft ein großes To-do mit viel Vorlauf und Nachlauf: Was fehlt genau? Wo kaufen wir? Wann passt es? Und so wird es gern geschoben, obwohl du es für dein Kind hinbekommen willst.

Wann dein Kind wächst, kannst du nicht planen. Ungefähr weißt du aber, wie schnell es gerade geht. Blocke dir deshalb regelmäßig einen Nachmittag im Kalender, zum Beispiel alle drei Wochen. Wenn nichts fehlt, hast du frei. Wenn doch, ist der Termin schon da. Bei kleineren Kindern, die schnell herauswachsen, sind die Abstände kürzer als bei größeren.

Bei älteren Kindern: der Saisonwechsel

Irgendwann wachsen Kinder kaum noch. Die Schuhgröße bleibt, die Jacke passt auch im nächsten Winter. Dann ist nicht mehr die Größe das Thema, sondern der Zustand: Die Jacke hatte schon letztes Jahr ihre besten Tage hinter sich.

Deshalb ist bei älteren Kindern der Saisonwechsel ein guter Anlass zum Ausmisten. Wenn im Frühling und im Herbst die Kleidung getauscht wird, schaut ihr gemeinsam: Was passt noch? Was ist durch? Was wurde die ganze Saison nicht getragen?

Mutter sein hört nicht mit 18 auf. Die Entscheidung liegt ab diesem Alter aber beim „Kind“.

Secondhand: Auch für dein Kind

Überall, wo „Kind“ draufsteht, kostet es gefühlt gleich mehr. Dabei trägt dein Kind viele Teile nur ein paar Monate. Manche gar nicht, weil genau in dem Moment der nächste Schub kam.

Deshalb mein Rat: Denk bei Kinderkleidung genauso an Secondhand wie vielleicht schon bei dir selbst. Auf eBay, Vinted, Kleiderbasaren oder in Facebook-Gruppen gibt es Kinderkleidung in allen Größen und Farben, oft fast neuwertig und günstig.

Vielen Kindern ist es egal, wo ein Teil herkommt und welche Marke draufsteht. Wird es deinem Kind später wichtig, könnt ihr immer noch gemeinsam entscheiden, was neu gekauft wird.

Ich sage nicht, dass du nie wieder etwas Neues kaufen darfst. Aber bei Kleidung, die so kurz getragen wird, lohnt sich gebraucht für deinen Geldbeutel und für die Umwelt.

Aufheben fürs Geschwisterkind?

Hier bin ich ehrlich: Davon halte ich wenig.

Wenn das jüngere Geschwisterkind drei oder vier Jahre jünger ist, bewahrst du die Kleidung drei oder vier Jahre auf. Das braucht Platz, und du musst den Überblick behalten, was in welcher Kiste liegt.

Gleichzeitig gibt es sehr viel gebrauchte Kinderkleidung in gutem Zustand. Wenn das Geschwisterkind so weit ist, bekommst du passende Teile gebraucht und günstig.

Ich verstehe, dass Kinderkleidung teuer ist. Am Ende entscheidest du das selbst. Meine Empfehlung ist trotzdem: Lass die Sachen gehen, wenn sie zu klein sind, und kauf später gebraucht.

Wenn du trotzdem aufheben willst, weil der Platz da ist oder das Geld knapp ist: eine Kiste pro Größe, gut beschriftet, und nur die Teile, die wirklich gut erhalten sind.

Kratzt, juckt, zieht: Warum die Haptik so viel ausmacht

Ein Etikett im Nacken, ein steifer Aufdruck, eine Naht an der falschen Stelle oder ein Bund, der einschneidet: So etwas kann den ganzen Tag stören.

Bei ADHS und Autismus spielt das oft eine große Rolle. Bei Autismus gehört eine ungewöhnlich starke oder schwache Reaktion auf Sinnesreize sogar zu den offiziellen Diagnosekriterien (DSM-5). Und eine niederländische Studie hat gezeigt, dass Erwachsene mit ADHS deutlich häufiger empfindlich auf Reize reagieren als Menschen ohne ADHS (Bijlenga et al., 2017).

Achte deshalb nicht nur auf die Größe, sondern auch darauf,

  • wie sich der Stoff anfühlt,
  • ob etwas kratzt, juckt oder zieht,
  • ob es irgendwo zu eng ist oder einschneidet,
  • ob ein großer Aufdruck stört. Ein Aufdruck liegt anders auf der Haut, und man schwitzt darunter anders.

Wichtig: Du und dein Kind seid zwei Personen. Vielleicht stört dich jede Naht, und deinem Kind ist das egal. Vielleicht ist es genau umgekehrt. Vielleicht kommt die Empfindlichkeit bei deinem Kind auch erst mit den Jahren. Beobachte, wie dein Kind reagiert, statt von dir auszugehen.

Nimm dein Kind mit zum Einkaufen

Ich kaufe Kleidung am liebsten im Laden. Dort kann ich viele Sachen schon am Gefühl aussortieren. Online sehe ich das nicht. Da steht zwar „Baumwolle“, aber Baumwolle ist nicht gleich Baumwolle.

Sobald dein Kind zeigen kann, was es mag und was nicht, nimm es mit. Achtet gemeinsam auf:

  • Material und Schnitt: Wie fühlt es sich an? Kann sich dein Kind darin gut bewegen?
  • Größe: Passt es auch noch in einem halben Jahr, oder ist es jetzt schon knapp? Dann lieber eine Nummer größer.
  • Vorlieben: Hat dein Kind Lieblingsfarben oder Lieblingsschnitte, nimm sie mit auf.

Lass dein Kind beim Abwägen zuhören

Einkaufen heißt nicht: „Ich darf mir alles aussuchen.“ Lass dein Kind mitbekommen, worüber du nachdenkst. Kleidung kostet Geld und ist nicht plötzlich im Schrank. „Du hast schon einen ganz ähnlichen Pulli, der noch passt. Den nehmen wir nicht mit. Lass uns etwas anderes suchen, das dir gefällt.“

Manche Kinder wollen jeden Tag dasselbe anziehen, mal als Phase, mal weil es ihnen Sicherheit gibt. Dann lohnt es sich, das Lieblingsteil gleich zwei- oder dreimal zu kaufen.

So lernt dein Kind, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen, bei Kleidung und später auch bei anderen Dingen.

Warum der Laden bei ADHS ein großer Vorteil ist

Beim Onlinekauf hängt nach dem Bestellen eine ganze Kette dran: daran denken, dass etwas zurück soll. Das Paket packen. Das richtige Label auf das richtige Paket kleben. Das Paket beim Rausgehen mitnehmen. Zur Post fahren, während sie geöffnet hat. Bei ADHS kann jeder dieser Schritte hängen bleiben. Ein Paket im Auto ist noch lange nicht bei der Post.

Dazu kommt: Online kauft man schneller etwas zusätzlich. „Das sieht auch schön aus, das kann ich ja zurückschicken.“ Und wenn die Rücksendung zu spät oder gar nicht passiert, ist das Geld weg.

Im Laden kaufst du, was du mitnimmst. Natürlich kann auch dort ein Sale locken. Aber dann hast du dich bewusst entschieden und nicht unbewusst vergessen, etwas zurückzuschicken.

Wenn dir oder deinem Kind volle Läden schnell zu viel werden, meide das Wochenende. Frag in deinen Lieblingsläden nach, wann dort meistens weniger los ist. Manche Geschäfte, bisher vor allem Supermärkte, bieten außerdem eine „Stille Stunde“ an, in der es weniger Reize gibt, zum Beispiel keine Musik und keine Durchsagen (FashionUnited, 2024). Auch Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz können helfen, Geräusche zu dämpfen, ohne dass du alles ausblendest.

Hier findest du eine Liste mit Geschäften, die bei der Stillen Stunde mitmachen: stille-stunde.com

Zwei Grenzen, die beim Einkaufen helfen

Ein Bargeld-Limit. Nimm Bargeld mit, zum Beispiel 50 Euro, und lass die Karte stecken. Dazu ein klares Ziel: „Heute suchen wir zwei T-Shirts und einen Pulli, die passen, gefallen und zusammen nicht über 50 Euro kosten.“ Mit Karte gibt es diese Grenze nicht.

Ein Zeitlimit. Stellt euch einen Timer, zum Beispiel auf eineinhalb Stunden. Bis dahin wollt ihr fertig sein. Ob es klappt, ist offen. Aber ihr habt einen Rahmen, und der Einkauf franst nicht aus.

Das sind Ideen, kein festes Rezept. Ordnung ist individuell, und Einkaufen auch. Probier aus, was zu euch passt.

Erinnerungsstücke: Wessen Erinnerung ist das?

Hier musst du ehrlich zu dir sein: Viele Erinnerungen an Kinderkleidung sind deine, nicht die deines Kindes.

Meine Mutter hat viel von meiner Babykleidung aufgehoben. Ich selbst kann mich an fast nichts davon erinnern. Wenn ich ein altes Foto sehe, denke ich vielleicht: „Den Pulli hatte ich gern an.“ Aber ich wünsche mir den Pulli nicht zurück. Und ich will ihn auch nicht in 20 oder 30 Jahren meinem eigenen Kind anziehen.

Wenn du Erinnerungsstücke behalten möchtest, gibt es gute Möglichkeiten:

  • Eine Erinnerungskiste: Such dir eine Kiste aus, zum Beispiel in Schuhkartongröße. Was hineinpasst, darf bleiben. Die Kiste ist die Grenze.
  • Fotos: Fotografiere die Teile und häng eine Collage auf. Oder mach ein Album mit Fotos von deinem Kind, wie es die Sachen trägt.
  • Etwas Neues daraus machen: Aus Kinderkleidung lassen sich eine Steppdecke oder ein Kissenbezug nähen. Wenn du das nicht selbst kannst, gibt es Menschen, die das für dich machen.

Und wähle bewusst aus. Die ersten Schuhe, das Lieblingslätzchen, vielleicht noch ein Teil mehr. Mehr braucht es oft nicht.

Dein einfacher Einstieg

  1. Nimm dir einen Stapel vor, zum Beispiel alle Hosen.
  2. Prüf zuerst die Größe. Was nicht mehr passt, kommt raus.
  3. Sortier in drei Gruppen: passt, zu klein und gut erhalten, kaputt.
  4. Schau dir Schuhe gesondert an. Läuft dein Kind noch wie sonst?
  5. Zu Großes kommt in eine beschriftete Kiste oben auf den Schrank.
  6. Erinnerungsstücke bekommen eine Kiste als Grenze.
  7. Plan ein, wohin die Sachen gehen, und trag jeden Schritt in den Kalender ein.
  8. Blocke dir regelmäßig einen Nachmittag für den Fall, dass etwas fehlt. Bei älteren Kindern reicht der Saisonwechsel.
  9. Kauf mit Bargeld-Limit und Timer, am besten im Laden oder secondhand.

Wenn ihr dranbleiben wollt

Kinder wachsen nicht nach Plan. Gerade war der Schrank noch sortiert, ein halbes Jahr später ist die Hälfte zu klein. Damit du nicht jedes Mal von vorn anfängst, helfen feste Termine, zum Beispiel dein Einkaufsnachmittag oder der Saisonwechsel.

Im Cheerleading schauen wir gemeinsam, was bei euch gerade dran ist, ob Kinderkleidung, dein eigener Kleiderschrank oder etwas ganz anderes. Du bekommst Aufgaben, die auf euren Familienalltag zugeschnitten sind und in kurzer Zeit machbar bleiben. Ich hake nach, wie es gelaufen ist.

Vorher gibt es immer ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir schauen, ob wir zusammenpassen.

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