Fotochaos bei ADHS dauerhaft vermeiden

Fotos sortiert und ein paar Monate später ist die Galerie wieder voll? In diesem Artikel geht es darum, wie du mit kleinen Gewohnheiten beim Fotografieren, Löschen und Sichern verhindern kannst, dass dein Fotochaos bei ADHS immer wieder von vorne beginnt.
Fotochaos bei ADHS mit bewussten Foto-Routinen dauerhaft vermeiden

Darum gehts

Wenn du ADHS hast und mehrere tausend Fotos auf deinem Handy liegen, kennst du vielleicht dieses Gefühl: Eigentlich möchtest du deine Fotos endlich mal aufräumen, aber es lohnt sich gar nicht, es kommen ja doch ständig neue dazu.

Vielleicht hast du schon einmal einen ganzen Abend damit verbracht, Fotos zu löschen, und danach sah deine Fotogalerie trotzdem fast genauso voll aus wie vorher.

Denn bei Fotoordnung und Fotosortieren mit ADHS geht es nicht nur darum, einmalig einen bestehenden Berg abzubauen. Es geht auch darum, wie du verhindern kannst, dass daraus immer wieder ein riesiges Projekt wird.

Und für mich beginnt das schon viel früher als beim Aussortieren.

Nämlich beim Fotografieren selbst.

Warum beim Fotosortieren bei ADHS schnell wieder ein großer Berg entsteht

Unser Handy ist fast immer dabei. Wenn etwas schön, lustig oder interessant ist, ist es ganz natürlich geworden, schnell ein Foto zu machen. Und gerade bei einem Ausflug, einer Feier oder einem Urlaub können daraus schnell sehr viele Bilder werden.

Dazu kommen Screenshots, Videos, Bilder aus WhatsApp und Fotos von Dingen, die man irgendwann einmal gebraucht hat.

Das Problem dabei: es sammeln sich ganz „unbemerkt“ viele Dinge an, die man später eigentlich gar nicht mehr braucht.

Und wenn das Aussortieren dann immer wieder aufgeschoben wird, wird aus vielen kleinen Entscheidungen irgendwann eine sehr große Aufgabe.

Genau deshalb möchte ich dir zeigen, wie ich mit meinem eigenen Fotochaos umgehe und was mir dabei hilft, Fotos bei ADHS dauerhaft überschaubarer zu halten.

Schon beim Fotografieren bewusster entscheiden

Ich merke bei mir selbst, dass ich heute deutlich weniger fotografiere als noch vor drei oder vier Jahren. Ich frage mich inzwischen häufiger:

Werde ich mir dieses Foto später überhaupt noch einmal anschauen?

Und manchmal ist die Antwort einfach nein. Dann mache ich das Foto gar nicht erst.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du nur noch ganz wenige Fotos machen sollst. Wenn dir das Fotografieren Spaß macht, fotografiere ruhig.

Aber gerade wenn du merkst, dass du schnell sehr viele Fotos machst, kann es helfen, dir diese Frage überhaupt einmal zu stellen.

Denn jedes Foto, das du heute machst, kann später eine Entscheidung sein, die du beim Fotosaufräumen wieder treffen musst. Und ADHSler lieben ja Entscheidungen…nicht.

Du musst nicht jeden schönen Moment fotografieren

Manchmal sehen wir etwas Schönes und greifen ganz automatisch zum Handy. Eine schöne Pflanze, einen Sonnenuntergang, eine besondere Situation oder ein Tier.

Natürlich kannst du davon ein Foto machen. Aber du musst es nicht.

Ich habe zum Beispiel vor einigen Wochen eine Schildkröte gesehen, die einfach frei herumgelaufen ist. Ich hatte mein Handy nicht dabei und war in dem Moment tatsächlich genervt, dass ich kein Foto davon machen konnte.

Drei Wochen später weiß ich aber immer noch ganz genau, dass ich diese Schildkröte gesehen habe und dass ich das ziemlich cool fand.

Ich brauchte das Foto nicht, um mich daran zu erinnern.

Vielleicht hast du jetzt den Gedanken: „Ja, schön. Das ist auch erst ein paar Wochen her. In vier Jahren weißt du das vielleicht gar nicht mehr.“

Und dazu kann ich vor allem eins sagen: Du hast recht. Ich weiß nicht, ob ich mich in vier Jahren noch an diese Schildkröte erinnern werde. Aber ich weiß, dass ich diesen Moment ganz bewusst wahrgenommen habe.

Ich glaube, dass genau das einen Unterschied macht. Wenn wir einen Augenblick bewusst wahrnehmen, nehmen wir ihn anders mit, als wenn wir nur schnell ein Foto machen und eigentlich schon wieder mit dem nächsten Gedanken beschäftigt sind.

Und wenn ich mich in vier Jahren tatsächlich nicht mehr daran erinnere, dann ist das eben auch in Ordnung. Es war ein schöner Moment, den ich erlebt habe. Ich muss nicht von jedem schönen Moment ein Foto besitzen, damit er etwas wert war.

Man überschätzt meiner Meinung nach manchmal, wie sehr wir Bilder brauchen, um Erinnerungen zu behalten. Nur weil du viele Bilder von einem Erlebnis gemacht hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du dich später besser daran erinnerst.

Deshalb darfst du dein Handy auch einfach einmal zu Hause lassen. Nicht jeder schöne Moment muss fotografiert und gespeichert werden.

Ungewollte Fotos direkt löschen

Ich schaue mir meine Fotos außerdem direkt an, wenn ich sie gemacht habe. Wenn ich sehe, dass ein Finger im Bild ist, das Foto komplett verwackelt ist oder die Beleuchtung überhaupt nicht passt, mache ich lieber direkt noch einmal ein brauchbares Foto und lösche das schlechte.

Das passiert bei mir inzwischen ziemlich automatisch.

Gerade wenn du dein Fotochaos trotz ADHS langfristig kleiner halten möchtest, kann so eine kleine Gewohnheit unglaublich hilfreich sein: Du lässt die offensichtlich schlechten Bilder gar nicht erst Teil deiner Sammlung werden.

Das funktioniert natürlich auch bei mehreren ähnlichen Bildern. Wenn ich gerade zehn fast identische Fotos gemacht habe, kann ich auch direkt überlegen, welches davon ich tatsächlich behalten möchte.

Je früher du eine solche Entscheidung triffst, desto weniger Arbeit hast du später.

Screenshots und Videos dürfen wieder verschwinden

Auch Screenshots sammeln sich schnell an. Sie bringen zusätzliches Chaos in deine Fotogalerie, obwohl du sie vielleicht nur für einen ganz bestimmten Zweck gebraucht hast.

Ich frage mich deshalb bei Screenshots:

Wofür brauche ich das gerade?

Wenn ich zum Beispiel ein Rezept screenshotte, weil ich damit einkaufen gehen möchte, kann der Screenshot danach weg. Bei einer Zugverbindung ist es genauso. Sobald ich sie nicht mehr brauche, lösche ich sie.

Manche Screenshots möchte ich natürlich länger behalten. Vielleicht habe ich ein Testergebnis oder eine interessante Information gespeichert. Dann bleibt es erst einmal.

Aber irgendwann darf auch dort die Frage kommen:

Brauche ich das wirklich noch?

Bei Videos mache ich es ähnlich. Wenn ich etwas für Social Media aufgenommen habe, lösche ich die Videos, sobald ich sie verwendet und veröffentlicht habe. Einige wenige private Aufnahmen bleiben, weil sie lustig oder besonders sind.

Aber auch ein Video muss nicht automatisch dauerhaft aufbewahrt werden, nur weil ich es einmal aufgenommen habe.

WhatsApp muss nicht automatisch in deiner Fotogalerie landen

Bei WhatsApp und anderen Messengern habe ich das automatische Speichern von Bildern in meiner Fotogalerie schon vor Jahren deaktiviert.

Das finde ich persönlich sehr hilfreich, weil sonst ständig Bilder in der eigenen Fotosammlung landen, die man gar nicht bewusst behalten wollte.

Wenn mir jemand ein Bild schickt, das ich wirklich behalten möchte, speichere ich es bewusst.

Hin und wieder gehe ich außerdem durch meine WhatsApp-Chats und lösche alte Bilder, die ich nicht mehr brauche. Das mache ich nicht nach einem festen Zeitplan, sondern wenn ich merke, dass sich dort wieder einiges angesammelt hat.

Auch hier geht es für mich darum, nicht alles automatisch aufzubewahren, nur weil es technisch möglich ist.

Gerade wenn du bei ADHS schnell viele digitale Dinge gleichzeitig irgendwo sammelst, kann es entlastend sein, wenn zumindest ein Teil davon gar nicht erst automatisch in deiner Fotogalerie landet.

Fotos regelmäßig aufräumen: lieber kleine Routinen als ein riesiges Projekt

Trotzdem entstehen natürlich weiterhin Fotos. Deshalb mache ich einmal im Monat eine größere Review- & Speicher-Routine.

Dabei schaue ich meine Fotos auf dem Handy durch, lösche Dinge, die ich nicht mehr brauche, und sichere die Fotos, die ich behalten möchte auf meinem Laptop. Offensichtlich ungelungene oder unnötige Bilder lösche ich schon vorher im Alltag.

Wenn ich mehrere Monate gar nichts mache, wird diese Routine entsprechend größer. Dann muss ich mehr Fotos anschauen und habe irgendwann auch weniger Lust, mich mit den einzelnen Bildern auseinanderzusetzen. Gerade bei einer großen Menge an Fotos sinkt bei mir außerdem die Bereitschaft, bei jedem einzelnen Bild genau hinzuschauen und ich behalte oft mehr, als ich es sonst tun würde.

Wenn ich dagegen regelmäßig dranbleibe, bleibt die Menge überschaubarer und ich treffe meine Entscheidungen auch genauer.

Deshalb gilt für mich: Lieber regelmäßig und besser als unregelmäßig und ungenauer.

Und wenn ich es doch einmal schleifen lasse, ist das auch kein Drama. Dann ist die nächste Runde eben größer – das ist meine eigene Wahl. Ich mache die Routine und weiß danach wieder, dass es für mich besser funktioniert, wenn ich regelmäßiger dranbleibe.

Wenn ich merke, dass ich mehrere Monate nichts gemacht habe, akzeptiere ich einfach, dass jetzt mehr Arbeit vor mir liegt, und fange wieder an.

Gerade beim Fotosortieren bei ADHS finde ich diesen Gedanken wichtig: Eine Routine muss nicht perfekt funktionieren, damit sie sinnvoll ist.

Nach Urlauben und anderen Ereignissen darf es eine zusätzliche Durchsicht geben

Meine monatliche Routine ist für mich der normale Rhythmus. Wenn ich aber im Urlaub war oder ein größeres Ereignis hatte, mache ich häufig zusätzlich eine Sicherung.

Das kann nach einem Urlaub sein, aber genauso nach einer Hochzeit, einem Geburtstag, einem Ausflug, einem privaten Fotoshooting oder einem anderen Ereignis, bei dem plötzlich deutlich mehr Fotos entstanden sind als sonst.

Gerade nach einem Urlaub schaue ich mir die Bilder auf dem Handy noch einmal durch, bevor ich sie sichere. Ich lösche, was ich nicht behalten möchte, und übertrage die Fotos, die bleiben sollen, auf meinen Laptop. Dort kann ich noch einmal anders aussortieren.

Das hat für mich auch mit der Frage zu tun:

Was möchte ich mit diesen Fotos später eigentlich machen?

Nehmen wir einen Urlaub: Vielleicht hast du 300 Fotos gemacht. Willst du daraus später ein Fotobuch machen? Dann kann es sinnvoll sein, eine größere Auswahl zu behalten und später die schönsten Bilder dafür auszuwählen.

Oder sind die Fotos hauptsächlich für dich selbst? Dann brauchst du vielleicht nicht 40 nahezu identische Bilder vom selben Strand.

Es geht also nicht darum, eine bestimmte Anzahl von Fotos zu erreichen. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, was du mit ihnen machen möchtest.

Und genau deshalb finde ich es sinnvoll, nach größeren Ereignissen nicht einfach alles monatelang auf dem Handy liegen zu lassen.

Nicht alles, was du behalten möchtest, muss auf deinem Handy bleiben

Dabei hilft mir noch eine andere Unterscheidung:

Möchte ich dieses Foto dauerhaft behalten oder brauche ich es gerade noch auf meinem Handy?

Vielleicht hast du ein Bild gemacht, das du langfristig nicht behalten möchtest, aber aktuell auf dem Handy brauchst, weil du es noch in einer WhatsApp-Story verwenden oder jemandem schicken möchtest.

Dann bleibt es dort, bis dieser Zweck erfüllt ist. Es wird gar nicht erst auf den Laptop geladen, oder bewusst direkt gelöscht.

Oder andersrum: Du willst ein Bild behalten, brauchst es aber nicht auf dem Handy. Dann wird es auf dem Laptop gespeichert. Danach kann es vom Handy verschwinden und trotzdem dauerhaft auf deinem Laptop oder einem anderen Speicherort gesichert bleiben.

Dein Handy muss schließlich nicht das Archiv für dein gesamtes Leben sein.

Wenn du gerade einen riesigen Rückstand hast

Wenn du bereits 8.000 oder 12.000 Fotos auf deinem Handy hast, hilft es natürlich nicht, ab heute einfach bewusster zu fotografieren. Der alte Bestand ist trotzdem noch da.

Dann würde ich beides voneinander trennen.

Den alten Foto-Berg räumst du nach und nach auf. Gleichzeitig achtest du auf deinen Impuls direkt ein Bild machen zu wollen.

Wie du mit einem bestehenden riesigen Fotochaos anfangen kannst, habe ich deshalb bereits im Artikel Fotos sortieren bei ADHS: Wie du überhaupt anfangen kannst beschrieben.

Und wenn du anschließend eine Struktur für die Fotos brauchst, die du behalten möchtest, geht es im Artikel Digitale Fotos organisieren bei ADHS: Welche Struktur passt wirklich zu dir? darum, wie du ein System findest, das zu dir und deiner Art zu suchen passt.

Du musst also nicht alles gleichzeitig lösen.

Das Ziel ist nicht, nie wieder Fotos zu machen

Denn das wäre auch gar nicht realistisch.

Es werden immer wieder neue Fotos entstehen. Du wirst im Urlaub mehr fotografieren als in einer normalen Woche. Nach einer Hochzeit oder einem Geburtstag werden plötzlich viele Bilder auf deinem Handy liegen. Du wirst Screenshots machen, Videos aufnehmen und vielleicht auch einmal ein paar Wochen vergessen, deine Fotos aufzuräumen.

Das gehört dazu.

Das Ziel ist, dass daraus nicht jedes Mal wieder ein riesiges Projekt wird.

Wenn du bewusster fotografierst, schlechte und unnötige Bilder direkt löschst und regelmäßig deine Fotos aufräumst, bleibt die Aufgabe für dich überschaubarer.

Und wenn es doch einmal wieder mehr geworden ist, fängst du eben wieder an.

Wenn du dabei merkst, dass du alleine immer wieder an derselben Stelle hängen bleibst, kann genau hier mein Cheerleading ansetzen. In meinem 1:1-Online-Coaching schauen wir gemeinsam darauf, wo dein persönliches Chaos entsteht, welche Struktur für dich funktioniert und wie du Ordnung so aufbaust, dass sie auch in deinem Alltag mit ADHS funktionieren kann.

Du musst dabei nicht erst perfekt organisiert sein oder schon genau wissen, wo du anfangen möchtest. Wir schauen gemeinsam auf deine Situation und gehen Schritt für Schritt vor.

Denn genau darum geht es für mich bei Ordnung: nicht darum, einmal alles perfekt zu machen, sondern eine Lösung zu finden, mit der du langfristig wirklich zurechtkommst.

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