Fotos sortieren bei ADHS: Wie du überhaupt anfangen kannst

Tausende Fotos auf dem Handy und keine Ahnung, wo du anfangen sollst? Hier erfährst du, wie du dein Fotochaos bei ADHS Schritt für Schritt reduzierst und leichter entscheidest, welche Bilder wirklich bleiben dürfen.
Fotos sortieren bei ADHS – digitale Fotos aussortieren und Ordnung schaffen

Darum gehts

Wenn du beim Blick auf deine Fotogalerie schon keine Lust mehr hast, bevor du überhaupt angefangen hast, bist du damit wahrscheinlich nicht allein. Vielleicht liegen dort mehrere tausend Fotos, dazu Screenshots, Videos und jede Menge Bilder, bei denen du dich beim besten Willen nicht mehr daran erinnerst, warum du sie überhaupt gemacht hast.

Und vielleicht weißt du sogar ziemlich genau, dass du eigentlich einmal aufräumen müsstest. Nur: Wo soll man bei 5.000, 10.000 oder noch mehr Fotos anfangen?

Genau das ist für mich der entscheidende Punkt. Beim Fotosortieren ist die eigentliche Schwierigkeit oft gar nicht, dass man nicht weiß, wie man Fotos sortieren könnte. Das Problem ist, dass die Aufgabe so groß geworden ist, dass man überhaupt keinen sinnvollen Einstieg mehr findet.

Und dann passiert das, was wir bei vielen Ordnungsprojekten kennen: Man schiebt es weiter auf.

Deshalb möchte ich dir hier nicht einfach zehn Tipps zum Fotosortieren geben. Ich möchte dir zeigen, wie du überhaupt anfangen kannst.

Bevor du anfängst: Was möchtest du eigentlich erreichen?

Bevor du das erste Foto löschst, solltest du dir eine Frage beantworten:

Was soll am Ende anders sein als jetzt?

Möchtest du einfach nur die 12.000 Fotos auf deinem Handy reduzieren? Möchtest du alle deine digitalen Fotos aus verschiedenen Quellen zusammenbringen? Oder möchtest du vor allem dieses Gefühl loswerden, dass du einen riesigen, offenen Berg an Fotos vor dir herschiebst?

Das klingt vielleicht nach einer unnötigen Frage. Ist es aber nicht. Denn du brauchst kein theoretisch perfektes Fotosystem. Du brauchst eine Sammlung, mit der du später tatsächlich zurechtkommst.

Wenn du zum Beispiel deine Urlaubsfotos immer nach dem Urlaubsort suchst, ist ein Ordner wie „Madeira_Mai_2026“ für dich wahrscheinlich sinnvoller als eine Struktur, bei der du erst überlegen musst, in welchem Jahr du auf Madeira warst.

Wie genau du die Fotos später organisierst, schauen wir uns deshalb im nächsten Artikel Digitale Fotos organisieren bei ADHS: Welche Struktur passt wirklich zu dir? an. Für den Anfang reicht aber eine viel kleinere Frage: Wie bekomme ich überhaupt den Überblick zurück?

Du musst irgendwo anfangen

Wenn du gerade vor einem riesigen Fotochaos sitzt, vergiss bitte die Vorstellung, dass du erst ein perfektes System entwickeln musst, bevor du anfangen kannst. Du brauchst zunächst einen ganz konkreten ersten Schritt.

Dabei gibt es zwei Situationen, die ich unterscheiden würde.

1. Wenn deine Fotos überall verteilt sind

Wenn deine Fotos auf verschiedenen Geräten und Speichermedien verteilt sind, würde ich nicht damit anfangen, auf deinem Handy einzelne Bilder zu löschen.

Schau zunächst, wo sich deine digitalen Fotos befinden. Vielleicht liegen sie auf deinem aktuellen Smartphone, einem alten Handy, deinem Laptop, einer alten Festplatte, USB-Sticks oder noch auf SD-Karten aus Kameras.

Alles, was du behalten möchtest oder noch nicht beurteilen kannst, kommt zunächst an einen gemeinsamen Ort. In vielen Fällen bietet sich dafür der Laptop an, weil dort meistens mehr Speicherplatz vorhanden ist. Wenn du ausreichend Speicherplatz in einer Cloud hast und damit gut zurechtkommst, kann auch das funktionieren.

Wichtig ist aber: Du musst an diesem Punkt noch keine Ordnung schaffen.

Erstelle zum Beispiel einen Ordner wie „Alle Bilder“ und sammle dort zunächst deine Fotos. Wenn du auf einem alten Gerät bereits Ordner hast, die für dich sinnvoll sind, musst du sie nicht zwanghaft auseinandernehmen. Du kannst sie zunächst so übernehmen, wie sie sind.

Erst danach beginnt das eigentliche Aussortieren.

2. Wenn du erst einmal nur dein Handy aufräumen möchtest

Wenn deine gesamte digitale Fotosammlung gerade viel zu groß für dich ist, würde ich nicht versuchen, sofort alle Geräte zusammenzuführen. Dann fang kleiner an.

Aber nicht unbedingt bei den neuesten Fotos.

Fang bei den älteren Fotos an. Bei einem Foto, das du gestern gemacht hast, weißt du meistens noch genau, warum du es aufgenommen hast. Bei einem Foto von vor drei oder fünf Jahren fällt die Entscheidung häufig leichter.

Du kannst also beispielsweise mit den ältesten Fotos auf deinem Smartphone beginnen und dir für den Anfang ungefähr 20 Minuten nehmen.

Nicht mit dem Ziel, deinen kompletten Fotobestand zu schaffen, sondern mit dem Ziel, in diesen 20 Minuten die Fotos zu löschen, bei denen die Entscheidung wirklich offensichtlich ist.

Ein verschwommenes Foto vom Boden? Weg.
Ein Screenshot, den du längst nicht mehr brauchst? Weg.
Dreimal dasselbe Foto vom Essen? Wahrscheinlich brauchst du nicht alle drei.
Ein Foto, bei dem du schon beim Anschauen weißt: „Keine Ahnung, warum ich das überhaupt noch habe“? Dann darf es ebenfalls gehen.

Und wenn du bei einem Foto lange überlegen musst, behältst du es zunächst. Du musst nicht jede Entscheidung sofort treffen.

Verabschiede dich von der Idee, heute 10.000 Fotos fertig sortiert zu haben

Wenn du mehrere tausend Fotos hast, wird das nicht an einem Abend erledigt sein. Und das ist völlig in Ordnung.

Ich selbst bin bei solchen Dingen durchaus konsequent und habe trotzdem gemerkt, wie riesig so eine Fotosammlung werden kann. Wenn sich über Jahre Fotos ansammeln, kannst du nicht erwarten, dass du diesen Berg innerhalb von zwei Stunden wieder abgetragen hast.

Wenn du 10.000 Fotos hast, brauchst du vielleicht zwei, drei, vier oder fünf Anläufe. Vielleicht brauchst du auch deutlich länger. Das ist kein Zeichen dafür, dass du es nicht kannst. Es bedeutet einfach, dass es eine große Aufgabe ist.

Gerade bei ADHS kann es dabei schnell passieren, dass aus „Ich möchte endlich Ordnung in meine Fotos bringen“ irgendwann „Ich muss heute alle 10.000 Fotos schaffen“ wird. Und spätestens dann wird aus einer eigentlich sinnvollen Aufgabe ein riesiger Druck.

Vergiss deshalb die Idee, alle Fotos auf einmal bearbeiten zu müssen.

Wenn du versuchst, dich trotzdem durch 10.000 Fotos an einem einzigen Abend zu quälen, wirst du dich damit nur kaputt machen und am Ende frustriert auf dem Boden sitzen.

Und genau an diesem Punkt kann der Gedanke entstehen: „Ach, scheiß drauf. Ich lösche jetzt einfach alles.“

Mach das nicht.

Wenn du in diesem Moment aus Frust alle Fotos löschst, kann es sein, dass du es später sehr bereust, einige davon verloren zu haben.

Lass das Projekt lieber länger dauern. Mach eine Pause. Schließe den Laptop oder das Handy. Und mach an einem anderen Tag weiter.

Fotos sortieren muss nicht an einem einzigen Abend abgeschlossen sein, nur weil du dir vorgenommen hast, endlich damit anzufangen.

Welche Fotos dürfen bleiben?

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage beim Aussortieren. Und darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Denn ein Foto muss nicht technisch perfekt oder objektiv schön sein, damit du es behalten möchtest.

Vielleicht hast du ein verschwommenes Foto von einem Menschen, den du sehr liebst. Auf dem Bild ist eigentlich kaum etwas zu erkennen. Trotzdem bedeutet es dir viel. Dann bleibt es.

Auf der anderen Seite kannst du ein wunderschönes Foto von einem Sonnenuntergang haben, das richtig gut aussieht. Aber vielleicht hast du diesen Sonnenuntergang sechzehnmal fotografiert und dieses eine Bild hat für dich überhaupt keine besondere Bedeutung. Dann darf es gehen.

Auch eine wunderschöne Blume muss nicht automatisch aufbewahrt werden, nur weil sie schön aussieht. Vielleicht hast du sie fotografiert, weil du sie für einen kurzen Moment schön fandest. Das ist völlig okay. Aber daraus entsteht nicht automatisch die Verpflichtung, dieses Foto für die nächsten 30 Jahre aufzubewahren.

Bei manchen Motiven brauchst du mehrere Fotos für eine gute Erinnerung, bei anderen nicht. Wenn du zum Beispiel bei einem Konzert zehn fast identische Fotos gemacht hast, reichen weniger davon völlig aus, um dich später wieder an den Abend zu erinnern.

Aber auch hier gibt es keine feste Regel. Wenn du alle zehn behalten möchtest, weil du genau diese zehn Fotos liebst, dann behältst du sie.

Gleichzeitig gibt es Fotos, die überhaupt nicht schön sein müssen, um einen Grund zu haben, sie aufzubewahren. Ein Foto kann für dich einen praktischen Zweck erfüllen.

Wenn du zum Beispiel dein Haus renoviert hast, können Fotos von Leitungen, Rohren, Anschlüssen oder einzelnen Bauphasen später noch wichtig sein. Solche Fotos würde ich nicht einfach löschen, nur weil sie nicht besonders schön aussehen.

Vielleicht brauchst du sie irgendwann, um nachzuschauen, wo eine Leitung verläuft. Vielleicht möchtest du später wissen, wie etwas vor dem Umbau aussah. Oder du brauchst die Dokumentation für eine Reparatur.

Das Gleiche gilt für andere Fotos, die einen konkreten Zweck erfüllen.

Deshalb würde ich beim Aussortieren nicht nur fragen: „Ist das ein schönes Foto?“
Sondern auch: „Hat dieses Foto für mich einen persönlichen oder praktischen Wert?“

Gerade wenn du viele Fotos hast, kannst du allerdings nicht bei jedem einzelnen Bild lange darüber nachdenken. Sonst sitzt du drei Stunden vor deiner Fotogalerie und hast trotzdem kaum etwas geschafft.

Bei offensichtlichen Fällen kannst du deshalb schnell entscheiden. Ein Screenshot von einer Information, die du längst nicht mehr brauchst, muss nicht lange diskutiert werden. Ein verschwommenes Foto, das den Boden zeigt, wahrscheinlich auch nicht.

Bei einem Foto, bei dem du unsicher bist, kannst du es zunächst behalten. Das bedeutet nicht, dass du nie wieder aussortierst. Du kannst es beim nächsten Anlauf noch einmal anschauen.

Gerade wenn du merkst, dass dich ein Foto emotional festhält, obwohl du eigentlich nicht weißt, warum du es behalten möchtest, musst du die Entscheidung nicht erzwingen.

Nutze die Funktionen, die dein Handy sowieso schon hat

Du musst nicht jedes Foto manuell suchen und einzeln durch deine komplette Galerie klicken.

Je nachdem, welches Gerät und welche Foto-App du verwendest, kannst du häufig nach bestimmten Kriterien filtern oder suchen, zum Beispiel nach Screenshots, Videos, Favoriten oder bestimmten Personen und Orten. Manche Systeme erkennen außerdem doppelte oder sehr ähnliche Fotos.

Das kann dir viel Arbeit abnehmen.

Nutze diese Funktionen. Du musst das Fotochaos nicht ausschließlich mit deiner eigenen Willenskraft bewältigen.

Wenn du danach merkst, dass du zwar weniger Fotos hast, aber noch nicht weißt, wie du die Bilder, die bleiben, sinnvoll organisierst, ist das völlig in Ordnung. Das Aussortieren und das anschließende Organisieren sind zwei unterschiedliche Schritte.

Und was ist mit deinen alten Papierfotos?

Vielleicht liegen bei dir zusätzlich noch Papierfotos in Kartons, alten Alben oder Schubladen.

Das ist noch einmal ein eigenes Thema. Gerade bei Papierfotos spielt die emotionale Seite häufig eine größere Rolle, und auch das Digitalisieren bringt eigene Fragen mit sich.

Deshalb würde ich das nicht einfach in denselben Aufräumprozess hineinwerfen.

Wenn du gerade dein digitales Fotochaos angehst, konzentriere dich zunächst darauf. Das Thema Papierfotos und Digitalisieren ist so groß, dass es dafür einen eigenen Artikel gibt: Papierfotos sortieren bei ADHS: Was darf bleiben?

Mach dir das Ende des Projekts leichter

Wenn du einen Teil deiner Fotosammlung geschafft hast, darfst du dir ruhig etwas gönnen.

Du kannst zum Beispiel nach einem abgeschlossenen Bereich ein Fotobuch erstellen, wenn du Fotobücher tatsächlich gerne magst und eines haben möchtest. Oder du machst etwas ganz anderes, worauf du dich freust: dein Lieblingsessen, einen schönen Abend, Musik, Tanzen oder irgendetwas, das für dich eine echte Belohnung ist.

Wichtig ist nur, dass daraus nicht direkt das nächste Projekt wird.

Wenn du eigentlich keine Fotobücher magst und sowieso keinen Platz dafür hast, musst du natürlich nicht nach jeder Sortierrunde ein Fotobuch erstellen. Die Belohnung soll dir helfen, das Projekt weiterzumachen – nicht aus einem Fotochaos gleich noch ein Fotobuchprojekt machen.

Wenn der Anfang trotzdem schwerfällt

Und manchmal ist genau das der Punkt, an dem Unterstützung sinnvoll sein kann.

Wenn du seit Jahren vor demselben Fotochaos stehst, brauchst du vielleicht nicht noch mehr Tipps, sondern jemanden, der mit dir gemeinsam herausfindet, was dich bei deinem konkreten Projekt eigentlich blockiert.

Im Cheerleading arbeite ich genau so: Wir schauen uns deine Situation an, zerlegen ein großes Thema in machbare Schritte und entwickeln gemeinsam eine Lösung, die zu deinem Alltag passt. Du entscheidest selbst, was bleiben darf und wie deine Ordnung später aussehen soll. Ich unterstütze dich dabei, aus dem großen Berg einen machbaren nächsten Schritt zu machen.

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